Murdochs Spitzenmanager treten zurück

Verlagsmanager Les Hinton
Dow-Jones-Chef Les Hinton trat zurück.

Wegen des Abhörskandals in Großbritannien gibt ein weiterer Spitzenmanager aus dem Konzern News Corp. des Medienunternehmers Rupert Murdoch sein Amt auf. Der Chef der Tochterfirma Dow Jones, Les Hinton, erklärte seinen Rücktritt. Er habe nicht gewusst, „was offenbar passiert ist“, gehe aber davon aus, dass sein Rücktritt angemessen sei, begründete Hinton seine Entscheidung.

Er gehörte seit Jahrzehnten zu Murdochs Mitarbeitern und leitete News International, die britische Zeitungssparte des Konzerns, als es zum Abhörskandal beim inzwischen eingestellten Boulevardblatt „News of the World“ kam. Reporter der Sonntagszeitung haben den bisherigen Erkenntnissen zufolge die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört.

Auch Murdoch-Vertraute Brooks räumt Posten

Wenige Stunden vor der Bekanntgabe von Hintons Rücktritt hatte bereits die derzeitige Vorstandschefin von News International, Rebekah Brooks, ihren Posten aufgegeben. Die Murdoch-Vertraute war bis zum Jahr 2003 Chefredakteurin von „News of the World“ gewesen und später des zweiten britischen Murdoch-Boulevardblattes „The Sun“. Später war sie zur Verlagsmanagerin aufgestiegen.

Schriftzug des Wall Street Journals
Das „Wall Street Journal“ ist das Aushängeschild des Dow-Jones-Verlags.

Murdoch, der wegen der Abhöraffäre unter Druck steht und kommende Woche vor einem Parlamentsausschuss zu den Vorwürfen Stellung nehmen wird, bat unterdessen die Opfer der Abhöraktionen um Entschuldigung. Das gravierende Fehlverhalten tue ihm leid, schrieb er in einem Brief, der am Wochenende in allen großen britischen Zeitungen veröffentlicht werden sollte. Die Zeitung „News of the World“ habe es sich zur Aufgabe gemacht, andere für ihr Fehlverhalten „zur Rechenschaft zu ziehen“, gleichwohl habe sie versagt, als es um sie selbst ging. Murdoch versprach eine rasche, umfassende eigene Aufklärung des Skandals. Das Schreiben wurde von News International veröffentlicht.

Entschuldigung bei Familie von Entführungsopfer

Der Medienunternehmer traf sich zudem in London mit den Angehörigen der ermordeten Milly Dowler. Wie die britische Agentur PA berichtete, habe sich Murdoch für das entschuldigt, was Mitarbeiter von „News of the World“ der Familie angetan haben. Es sei ein privates Treffen von Murdoch mit Eltern und Schwester der getöteten Milly Dowler gewesen. „Er bat um Entschuldigung und sagte, das hätte nicht passieren dürfen“, sagte der Anwalt der Familie Dowler nach dem Treffen.

Millys Eltern hatten ein Treffen mit den Verantwortlichen der „News of the World“ verlangt, seit ans Licht gekommen war, dass Journalisten der Zeitung die Mailbox ihrer entführten Tochter angezapft hatten. Die Journalisten hatten sogar Nachrichten gelöscht, um Platz für neue zu machen, während das Mädchen vermisst wurde. Dadurch hatte die Familie sich falsche Hoffnungen gemacht, dass ihre entführte Tochter noch am Leben sei. Die Schülerin Milly Dowler war 2002 im Alter von 13 Jahren entführt und später tot aufgefunden worden.

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