Ein von RWE geschickt eingefädelter Deal

Von Jürgen Döschner, WDR

Was für ein Zufall: Da gab gestern der Essener RWE-Konzern den von der EU erzwungenen Verkauf seines Höchstspannungs-Stromnetzes bekannt, und just am selben Tag vermeldet der Energieriese eine strategische Partnerschaft mit dem russischen Energieriesen Gazprom. Kompliment, meine Herren! Das haben Sie geschickt eingefädelt.

Mit dem russischen Staatskonzern holen sich die Essener nicht nur den mächtigsten Partner ins Boot, den man sich in Sachen Energie vorstellen kann. Sie stechen zugleich auch noch ihre schärfsten Konkurrenten im In- und Ausland aus. Und obendrein drehen sie den Wettbewerbshütern eine lange Nase. Denn der Deal mit den Russen dürfte die von der EU-Kommission verordnete Schwächung durch den Verkauf des Stromnetzes mehr als ausgleichen.

Win-Win-Situation mit einem Verlierer

RWE erfüllt Gazprom mit dem geplanten Kraftwerks-Joint-Venture einen lang gehegten Wunsch: nämlich den Zugang zu den europäischen Endkunden. Ein Bombengeschäft, denn von den Strompreisen, die hier im Westen gezahlt werden, kann Gazprom in Russland nur träumen.

Als Gegenleistung, so darf man vermuten, erhalten die Essener Strategen Gas – und zwar preiswertes Gas. Eine klassische Win-Win-Situation also, bei der am Ende nur einer verliert: der Verbraucher.

Gas ist ein unschlagbarer Vorteil

Denn die Partnerschaft der beiden Energieriesen bedeutet weniger Wettbewerb und damit höhere Preise. Billiges Gas ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz, vor allem, wenn es sich um kleine Anbieter wie zum Beispiel Stadtwerke handelt.

Der Atomausstieg und die Energiewende haben die großen Stromkonzerne arg gebeutelt, ihre Macht geschwächt. Um zu überleben, so argumentieren sie, brauchen sie neues Geld und starke Partner.

Doch das Kartellamt sollte sich von solchen Argumenten nicht blenden lassen. Es gibt keinen Artenschutz für Dinosaurier. Wenn der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt durch den Russen-Deal von RWE geschwächt wird – und danach sieht es aus -, dann muss das Kartellamt dem einen Riegel vorschieben.

Original, Google Cache, archive.org

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