Murdoch bittet um Verzeihung

Nach Bekanntwerden der Abhöraktionen beim eingestellten Boulevardblatt „News of the World“ hat Medienmogul Rupert Murdoch um Verzeihung gebeten. „We are sorry“ hieß es auf ganzseitigen Anzeigen in allen landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens.

„Das Geschäft der ‚News of the World‘ war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging. Das ernsthafte Fehlverhalten, das passierte, tut uns leid“, steht in dem Text, der die Signatur von Rupert Murdoch trägt. Weiter heißt es: „Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen.“ Das Geschäft sei auf der Annahme gegründet worden, dass eine freie und offene Presse eine positive Kraft in der Gesellschaft sein sollte. „Dahin müssen wir wieder kommen“, schrieb er und kündigte einen transparenten Aufklärungsprozess an. In den kommenden Tagen werde sein Unternehmen weitere Schritte unternehmen, um den Schaden zu begleichen.

Treffen mit Angehörigen eines Mordopfers

Murdochs Bitte um Verzeihung in der britischen Presse
Murdochs Bitte um Verzeihung in der britischen Presse

Gestern hatte sich Murdoch in London bereits mit den Angehörigen der ermordeten Milly Dowler getroffen. Murdoch entschuldigte sich der britischen Agentur PA zufolge für all das, was Mitarbeiter der „News of the World“ der Familie angetan haben. Es sei ein privates Treffen von Murdoch mit Eltern und Schwester der getöteten Milly Dowler gewesen. „Er bat um Entschuldigung und sagte, das hätte nicht passieren dürfen“, sagte der Anwalt der Familie Dowler nach dem Treffen.

Millys Eltern hatten ein Treffen mit den Verantwortlichen der „News of the World“ verlangt, seit ans Licht gekommen war, dass Journalisten der Zeitung die Mailbox ihrer entführten Tochter angezapft hatten. Die Journalisten hatten sogar Nachrichten gelöscht, um Platz für neue zu machen, während das Mädchen vermisst wurde. Deshalb hatte sich die Familie falsche Hoffnungen gemacht, dass ihre entführte Tochter noch am Leben sein könnte. Die Schülerin Milly Dowler war 2002 im Alter von 13 Jahren entführt und später tot aufgefunden worden.

Spitzenmanager Les Hinton gibt Posten auf

Inmitten der Wiedergutmachungsversuche gab ein weiterer Spitzenmanager des Konzerns News Corp. von Murdoch sein Amt auf. Der Chef der Tochterfirma Dow Jones, Les Hinton, erklärte seinen Rücktritt. Er habe nicht gewusst, „was offenbar passiert ist“, gehe aber davon aus, dass sein Rücktritt angemessen sei, begründete Hinton seine Entscheidung.

Verlagsmanager Les Hinton
Dow-Jones-Chef Les Hinton trat zurück.

Er gehörte seit Jahrzehnten zu Murdochs Mitarbeitern und leitete News International, die britische Zeitungssparte des Konzerns, als es zum Abhörskandal beim inzwischen eingestellten Boulevardblatt „News of the World“ kam. Reporter der Sonntagszeitung haben den bisherigen Erkenntnissen zufolge die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört.

Auch Murdoch-Vertraute Brooks räumt Posten

Wenige Stunden vor der Bekanntgabe von Hintons Rücktritt hatte bereits die derzeitige Vorstandschefin von News International, Rebekah Brooks, ihren Posten aufgegeben. Die Murdoch-Vertraute war bis zum Jahr 2003 Chefredakteurin von „News of the World“ gewesen und später des zweiten britischen Murdoch-Boulevardblattes „The Sun“. Danach war sie zur Verlagsmanagerin aufgestiegen.

Schriftzug des Wall Street Journals
Das „Wall Street Journal“ ist das Aushängeschild des Dow-Jones-Verlags.

Murdoch und sein Sohn James müssen kommende Woche vor einem Parlamentsausschuss zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

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