Wo beginnt das „Herzstück“?

Die entwendeten Baupläne für die neue BND-Zentrale in Berlin betreffen möglicherweise doch sicherheitsrelevante Bereiche. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zeigen die Zeichnungen unter anderem Einzelheiten über Laboratorien und Büros. Demnach betreffen die Zeichnungen Einzelheiten von jeweils 33 Quadratmeter großen Laboratorien, 17 Quadratmeter großen Einzelbüros und eines 60 Quadratmeter großen Spezialarchivs. Zudem gebe es präzise Angaben über Sicherheitsschleusen, Spezialverglasungen, Notausgänge sowie Schall- und Brandschutzmaßnahmen und „Einbruchshemmungen“.

Uhrlau: „Herzstück“ nicht betroffen

Der „Focus“-Bericht steht im Widerspruch zur Darstellung von BND-Präsident Ernst Uhrlau. Dieser hatte öffentlich erklärt, es sei kein wirklich brisantes Material in unbefugte Hände gelangt. In dem von dem Informationsleck betroffenen Gebäudeteil – der Nordbebauung – seien nach den Planungen der Architekten unter anderem ein Parkhaus, die Warenanlieferung, die Küche, ein Kraftwerk und Büroarbeitsplätze untergebracht. Das „Herzstück“ des Gebäudes mit Besprechungsräumen oder dem Lagezentrum des Nachrichtendienstes sei nicht betroffen.

Weiter sagte Uhrlau, die gestohlenen Pläne hätten der untersten Geheimhaltungsstufe „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ unterlegen und seien an die am Bau beteiligten Firmen weitergegeben worden. Weil sie keine hohe Geheimhaltungsstufe hätten, sei auch nicht die Vernichtung kontrolliert worden.

Rohbau der BND-Zentrale
Nach Angaben von BND-Chef Uhrlau ist das „Herzstück“ des Gebäudes nicht betroffen.

Der „Spiegel“ meldet weitere Schlampereien beim Bau der neuen BND-Zentrale. Die Geheimhaltung für die Baupläne ist demnach insgesamt lückenhaft. Man habe vertraulich eingestufte Zeichnungen einsehen können, auf denen Abschnitte des Hauptgebäudes klar zu erkennen waren – darunter Grundrisse von Laboratorien und Büros. Eine für den BND-Neubau tätige Firma habe von ihren Unterlagen ein paar hundert Kopien für Bauleiter und Subunternehmer angefertigt, schreibt das Magazin.

Ruf nach „lückenloser Aufklärung“

Politiker von SPD und Union reagierten verärgert: Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Thomas Oppermann, forderte eine „lückenlose Aufklärung“ durch das Kanzleramt und das Bauministerium. Die Bundesregierung sei dafür verantwortlich, dass sensible Pläne nicht in fremde Hände gerieten. Nach der Sommerpause müssten Ronald Pofalla und Peter Ramsauer im Parlamentarischen Kontrollgremium Rede und Antwort stehen.

CSU-Fraktionsgeschäftsführer Stefan Müller sah hingegen vor allem BND-Chef Uhrlau – der langjähriges Mitglied der SPD ist – in der Pflicht zu Aufklärung. Uhrlau müsse seine Aussagen zum Umfang der entwendeten Baupläne revidieren, sagte Müller dem „Hamburger Abendblatt“. Vom früheren Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer (CDU) kam ebenfalls scharfe Kritik. „Bei der Aufsicht und der Kontrolle sowie beim Umgang mit dem aktuellen Problem sind nur Laienschauspieler am Werk“, sagte Schmidbauer dem „Focus“ ohne konkrete Namen zu nennen.

Rund 4000 Mitarbeiter des deutschen Auslandsgeheimdienstes sollen in einigen Jahren in der „modernsten Geheimdienstzentrale Europas“ (BND) auf 260.000 Quadratmeter Fläche arbeiten. Der Umzug von Pullach bei München und verschiedenen anderen Dienststellen nach Berlin war zuletzt auf Anfang 2014 verschoben worden. Die Gesamtkosten werden inklusive des Umzugs auf knapp 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Original, Google Cache, archive.org

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