Gaddafi wettert gegen Aufständische

Mit Durchhalteparolen hat Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi auf die diplomatische Aufwertung der Aufständischen durch die internationale Libyen-Kontaktgruppe reagiert. In einer per Lautsprecher übertragenen Rede an tausende Anhänger in der Stadt Sawija nahe der Hauptstadt Tripolis erklärte Gaddafi, er werde weiter kämpfen und nicht zurückweichen. „Ich werde niemals das Land meiner Vorfahren verlassen und das Volk, das sich für mich opfert.“

Die Vertreter der internationalen Libyen-Kontaktgruppe hatten bei einem Treffen am Freitag in Istanbul den Nationalen Übergangsrat der Rebellen als offizielles Organ mit Regierungsvollmacht anerkannt. Zudem hatte die Kontaktgruppe die Bildung einer Übergangsregierung gefordert.

Libyen-Kontaktgruppe

Die Libyen-Kontaktgruppe wurde Ende März beim Treffen der internationalen Gemeinschaft zur Libyen-Krise in London aus der Taufe gehoben. Ihre Aufgabe ist es, die Bedingungen für einen Waffenstillstand in Libyen zu diskutieren und den politischen Prozess für die Zeit nach Gaddafi vorzubereiten. Der Kontaktgruppe gehören sechs internationale Organisationen an: Die Arabische Liga, die EU, der Golfkooperationsrat, die NATO, die Organisation Islamischer Konferenzen sowie die UNO. Die Afrikanische Union und die Weltbank haben einen Beobachterstatus. Zudem gehören 22 Staaten zur Kontaktgruppe, von denen die meisten am Militäreinsatz in Libyen beteiligt sind oder waren, einige – wie Deutschland oder die Türkei – aber nicht. Die Länder sind: Australien, Bahrain, Dänemark (rotierend mit Schweden und Norwegen), Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Japan, Jordanien, Kanada, Katar, Kuwait, Libanon, Malta, Marokko, die Niederlande (rotierend mit Belgien und Luxemburg), Polen, Spanien, Türkei, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate. Einige weitere Staaten sind als Beobachter dabei.

Gaddafi bezeichnete die Aufständischen als „Ratten“ und als „Agenten des französischen Geheimdienstes“. Diese hätten die Menschen in Bengasi, Misrata und in den Bergen in Geiselhaft genommen und missbrauchten sie als menschliche Schutzschilde. Bengasi im Osten des Landes und die 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Stadt Misrata sind in den Händen der Rebellen. Gaddafi kündigte an, es würden fünf Millionen bewaffnete Libyer aufmarschieren und die besetzten Städte befreien, sobald der Einsatzbefehl gegeben werde. Gaddafi hatte seine Anhänger schon einmal am Donnerstag zum Marsch auf Bengasi aufgerufen. Misrata ist von Truppen umstellt.

Gaddafi-Anhänger in Sawija. Das Foto wurde bei einer von der Regierung gefürhten Tour für Journalisten gemacht.
Gaddafi-Anhänger in Sawija. Das Foto wurde bei einer von der Regierung gefürhten Tour für Journalisten gemacht.

Angriffe gehen weiter

In der Nacht wurde die Hauptstadt Tripolis von zahlreichen schweren Explosionen erschüttert. Das libysche Staatsfernsehen berichtete, die NATO habe Luftangriffe auf militärische und zivile Ziele in zwei Stadtteilen von Tripolis geflogen. Dabei habe es Tote gegeben, nähere Angaben wurden nicht gemacht. BBC und Al Dschasira berichteten, es sei ein Vorort der Hauptstadt getroffen worden. Der Angriff habe mindestens eine Stunde gedauert. Die NATO fliegt seit März permanent Einsätze gegen die Truppen Gaddafis.

Die Aufständischen versuchen derzeit weiter, in die Ölstadt Brega vorzudringen. Am Samstag wurden sie bei ihrem Vormarsch durch die Entdeckung von mit brennbaren Chemikalien gefüllten Abwehrgräben gebremst. Die Gaddafi-Truppen wollten diese anzünden, wenn die Rebellen in die Stadt vordrängen, sagte Mustafa el Sagesli, ein militärischer Anführer der Rebellen. Der Vormarsch wurde auch durch zahlreiche Landminen behindert. Die Rebellen entdeckten nach eigenen Angaben Hunderte davon.

Nach Angaben von Ärzten wurden allein gestern neun Rebellen getötet und 79 verletzt. Die Aufständischen hatten ihre Offensive auf die strategisch wichtige Stadt am Donnerstag gestartet. Der Hafen am Golf von Sirte war im Verlauf des nunmehr fast fünf Monate dauernden Konflikts bereits mehrmals von Regierungstruppen und Rebellen eingenommen worden.

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