„Der Euro ist nicht in der Krise“

Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt einen Schuldenschnitt in Griechenland nicht mehr kategorisch aus. Im Sommerinterview mit dem ARD-Hauptstadtstudio sagte die CDU-Chefin auf eine entsprechende Frage: „Ich arbeite darauf nicht hin.“ Eine solche Umschuldung hätte „den negativen Effekt, dass sich auch andere Länder nicht mehr so anstrengen“. Merkel betonte: „Wir versuchen alles, was wir können, um etwas zu vermeiden, was noch härter ist.“ Die Einbeziehung privater Gläubiger beim geplanten zweiten Rettungspaket für Griechenland zeige aber, dass Griechenland ein besonderes Problem sei.

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  • Sommerinterview mit Bundeskanzlerin Merkel
  • Länge: 0:18:54
  • Datum: 2011-07-17T19:29:00.000+02:00

Euro für Deutschland „ganz besonders“ wichtig

Den Euro als Gemeinschaftswährung sieht sie durch die Probleme in einigen Euro-Staaten nicht gefährdet. „Der Euro ist nicht in der Krise“, so Merkel. Es gehe vielmehr um eine Schuldenkrise einzelner Staaten und um Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Länder, sagte sie. „Wir arbeiten dafür, dass der Euro eine stabile Währung ist“, versicherte Merkel. Gerade Deutschland brauche die Gemeinschaftswährung „ganz besonders“.

„Ratingagenturen sind ja nicht an sich böse“

Sommerinterview mit Bundeskanzlerin Merkel
Merkel bekräftigt im ARD-Sommerinterview auch ihre Zusage von 2008 an die Sparer.

Die scharfe Kritik, die in den verganenen Tagen an der Arbeit von Ratingagenturen geäußert wurde, wies Merkel zurück. „Ratingagenturen sind ja nicht an sich böse, sie weisen auf Schwächen hin.“ Allerdings könnten die Agenturen „in sensiblen Momenten“ wie derzeit „verstärkend“ auf Probleme wirken. Merkel riet dazu, während der Sanierung Griechenlands „nicht jeden Tag“ zu schauen, „wird Griechenland runtergestuft oder nicht“. Auf mittlere Sicht sei es wichtig, dass Europa auch eine Ratingagentur habe. Bisher habe es in der Wirtschaft aber kein Interesse gegeben. Sie würde es aber „sehr begrüßen, wenn die europäische Wirtschaft“ dazu käme, eine Agentur einzurichten, sagte die Kanzlerin.

In dem Interview bekräftigte Merkel auch die Zusage, dass Gelder und Spareinlagen deutscher Bürger sicher seien. „Den Worten von damals ist nichts hinzuzufügen“, sagte sie. Merkel hatte diese Zusage 2008 während der Weltfinanzkrise gegeben. Die Bundesregierung wollte damit verhindern, dass Anleger aus Angst vor einer Bankenpleite massenhaft Geld abheben. Deshalb versprach sie eine staatliche Garantie aller privaten Spareinlagen.

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