„Ihr seht – Japan ist am Leben!“

Kein Public Viewing, kein Fahnenmeer und auch kein Autokorso – das Feiern als Weltmeister müssen die Japaner erst noch lernen. Immerhin ist es der erste Weltmeistertitel, den jemals eine japanische Fußballmannschaft geholt hat. Und manch einer hofft, dass es nun mit dem ganzen Land wieder aufwärts geht.

Von Nils Kinkel, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Nadeshiko, die Prachtnelken haben es geschafft. Zum ersten Mal in der Geschichte des asiatischen Fußballs ist Japan Weltmeister. Zwei Mal lagen sie am Boden, zwei Mal sind sie wieder aufgestanden und haben sich zurück ins Spiel gekämpft. Und mit ihrem unbedingten Siegeswillen am Ende auch das Elfmeterschießen begonnen.

Kein Public Viewing, kein Fahnenmeer – und auch den hupenden Autokorso kennen die Japaner noch nicht. Selbst in den Sportsbars in Tokio war die Zahl der Liebhaber am frühen Morgen zwar übersichtlich. Das Aufstehen hatte sich für die Fans aber gelohnt: „Dieser Sieg wird das gebeutelte Japan wiederbeleben“, sagt ein Fan. „Gute Arbeit – Nadeshiko!“ Und ein anderer sagt: „Ich war sehr beeindruckt! Vielen Dank, ihr seht, Japan ist am Leben.“

„Wir sind die Nummer 1 der Welt“

Die tapferen Fans nahmen die Rückschläge auf ihren Plätzen gelassen hin. Mit den Händen vor dem Gesicht verfolgten sie das packende Finale bis zum Happy End, auch wenn sie in der Verlängerung schon so gut wie ausgeschieden waren. Vier Minuten vor dem Ende dann die Rettung.

Nach einem Eckball erzielte Mannschaftskapitänin Homare Sawa das 2:2 – bescheiden und höflich bedankte sie sich dann mehrmals nach dem Spiel für den Titel und den vorbildlichen Einsatz ihrer Mannschaft: „Wir haben alle bis zum Ende an uns geglaubt und gekämpft“, sagt Sawa nach dem Sieg. „Wir sind so glücklich. Wir sind jetzt die Nummer 1 der Welt.“

Die Japanerinnen sind Fußballweltmeister.
„Nadeshiko“, die Prachtnelken, wie die japanische Nationalmannschaft genannt wird, feiern den ersten Fußballweltmeistertitel ihres Landes.

Das Ziel hatte Trainer Norio Sasaki schon vor dem Turnier formuliert. Doch eigentlich sollte der große Plan erst 2015 aufgehen. Ausgerechnet im 25. Spiel gegen die USA gelang der erste Erfolg. „Meine Mädels haben mit einem großen Herzen gekämpft“, sagt Sasaki. „Im Elfmeterschießen kannst du nie sagen, wie es ausgeht. Aber sie sind cool geblieben und haben mich überrascht.“

Mit einem guten deutschen Bier wollte Sasaki am liebsten die ganze Nacht durchfeiern, doch schon am Mittag fliegt die Mannschaft zurück nach Japan und wird dort begeistert empfangen. Und somit endet die Fußball WM in Deutschland doch noch mit einem Sommermärchen, allerdings einem japanischen.

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