Der Mann, der den Abzug vom Hindukusch schaffen muss

Die ISAF-Truppen in Afghanistan haben einen neuen Chef: Der bisherige Oberkommandierende Petraeus übergab die Befehlsgewalt an US-General Allen. Der 57-Jährige machte sich im Irak-Krieg einen Namen – und soll nun den Truppenabzug aus Afghanistan vorbereiten.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Bislang standen stets Generäle der Army-Teilstreitkraft den militärischen US-Operationen in Afghanistan vor. Doch als Präsident Barack Obama im April erstmals einen Marine-Corps-General für diesen Posten nominierte, gab es im ansonsten zerstrittenen Senat kein Problem: Die parlamentarische Bestätigung von John Allen ging glatt über die Bühne. Denn der 57-Jährige hatte sich vor allem mit seinem Dienst von 2006 bis 2008 im Irak-Krieg einen guten Namen erarbeitet.

US-General John Allen
US-General Allen genießt bei US-Militärs einen guten Ruf.

Der Mann verstehe die dortige Stammeskultur und sei ein hervorragender strategischer Denker, hieß es bewundernd in Washington unter Militärs wie Diplomaten.

Erfolge im Irak

Mitten in der für die Amerikaner opferreichsten Zeit war es Allen in der besonders umkämpften Provinz Al Anbar gelungen, etliche sunnitische Stammesführer auf seine Seite zu ziehen – durch einen Mix aus militärischem Druck und zivilen Anreizen wie Geld und Aufbauhilfe. Dies war mitentscheidend für die Wende zum Besseren.

Von 2008 bis Mitte dieses Jahres war Allen Vize-Kommandeur bei Centcom, dem US-Kommando für den Mittleren Osten und Zentralasien. Nun geht er an den Hindukusch – und damit wieder in die unmittelbare Kriegsführung. Doch Afghanistan ist nicht der Irak: Die Stammeskultur ist anders, der Feind deutlich unversöhnlicher und erfahrener im Kampf gegen ausländische Besatzer.

Zerstörte zivile Strukturen

Scheidender ISAF-Oberkommandierender David Petraeus
Applaus für Allen: Der bisherige ISAF-Oberkommandierende Petraeus bei der Zeremonie für seinen Nachfolger.

Außerdem sind die Strukturen einer zivilen Gesellschaft nach jahrzehntelangen Kriegen zerstört. Wo also muss Allen ansetzen, um Afghanistans Sicherheitslage stabil zu gestalten und es so zu ermöglichen, dass die derzeit 150.000 Soldaten aus den USA und den verbündeten Nationen wie Deutschland bis 2014 abziehen können?

In den vergangenen anderthalb Monaten arbeitete er als Spezialassistent von Generalstabschef Mike Mullen im Weißen Haus, wo er mit allen politischen, diplomatischen und militär-strategischen Plänen der US-Regierung vertraut gemacht wurde.

Sein Arbeitsbeginn in Kabul war freilich von Gewalt überschattet: Wenige Stunden vor der Amtsübernahme war einer der engsten Berater von Afghanistans Präsident Hamid Karsai ermordet worden. Wenig später ging die Kunde von tödlichen Anschlägen auf ISAF-Truppen um die Welt.

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