Die nicht ganz so Vereinigten Staaten von Amerika

North Dakota gehört nicht gerade zu den spektakulärsten Gegenden der USA. Es ist von der Fläche etwas größer als Bulgarien, hat aber nur gut 670.000 Einwohner. Sein Schatz an kulturellen und historischen Highlights ist eher übersichtlich, das offizielle Staatsgetränk – ja, das gibt es – ist die Milch. Aber immerhin: Seit nunmehr 122 Jahren ist North Dakota stolz, ein Staat der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein.

Immer auf das Kleingedruckte achten!

Wirklich? Ausgerechnet John Rolczynski, ein Bewohner von North Dakota, bezweifelt das – und hat dafür ein starkes Argument: Laut US-Verfassung müssen Vertreter aller Staatsgewalten ihren Amtseid ablegen. In North Dakota sind es jedoch nur die Mitglieder der Legislative und der Judikative, die Exekutive ist davon ausgenommen. Damit stehe North Dakota außerhalb der Bundesverfassung und mache seine Bürger zu vaterlandslosen Gesellen, meint Rolczynski.

Als seine Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, freuten sich einige Einwohner von North Dakota zunächst über ihre Unabhängigkeit und hofften, künftig von den Bundessteuern befreit zu sein. Doch Juristen meinen: Auch wenn die Aufnahme von North Dakota in die USA irrtümlich erfolgte, sei das doch wie bei einer Heirat, bei der man Rechte und Pflichten teilt, selbst wenn die Basis nicht so ganz stimmt.

Back in the USA

Seit mehr als 16 Jahren kämpft der mittlerweile 82-jährige Rolczynski dafür, sein – nun ja, Heimatterritorium – zu einem echten Mitglied der USA zu machen. Jetzt hat er endlich Gehör gefunden: Der Fehler von 1889 soll korrigiert werden: Im November 2012 werden die Einwohner von North Dakota über eine Änderung ihrer Staatsverfassung abstimmen, die selbige kompatibel mit der US-Verfassung machen soll. Bis dahin müssen sie allerdings noch in ihrem ungewissen Zustand ausharren.

Derweil freut sich Rolczynski, dass seine langjährigen Bemühungen von Erfolg gekrönt sind. Auf seinen Lorbeeren ausruhen will er sich jedoch nicht: Er hat entdeckt, dass die Staatsverfassung die Grenzen von North Dakota nicht genau definiert. Aber auch das wird der künftige US-Bürger sicher noch hinkriegen.

Original, Google Cache, archive.org

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