Die Begeisterung schwand, die Sympathie blieb

Es war die erste Fußball-WM der Frauen, die zur Prime-Time im Fernsehen übertragen wurde, es gab Sammelbildchen und Public Viewing. Und doch kein Sommermärchen: Zu groß war die Enttäuschung der meisten Fans über das Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Es blieb viel Sympathie für die Gäste.

Von Philipp Hofmeister, HR

Es hätte alles so schön sein können, im Sommer 2011. Ein perfekter Gastgeber, eine bis ins kleinste Detail geplante Party, die plötzlich zu Ende war. Von wegen Sommermärchen 2011. Aus, vorbei. Deutschland raus. Ausgerechnet das, was nicht passieren durfte, passierte. Die Weltmeisterschaft stand und fiel mit Deutschland. Der K.O. im Viertelfinale, ein Schock.

Deutsche Fußball-Fans
Es hätte so schön sein können: Die Fußball-WM in Deutschland.

Hilflose Erklärungsversuche der Spielerinnen: „Im Sport ist halt nichts planbar, das mussten wir heute lernen“, sagte Kerstin Garefrekes. Und ihre Teamkollegin Nadine Angerer: „Ich bin auf nichts vorbereitet. Ich werde spontan meinen Rucksack packen und wahrscheinlich erst mal das Weite suchen.“

Dabei hatte sich das Aus gegen Japan abgezeichnet. Verkrampft stolperte Team Deutschland durch die Vorrunde, begleitet von Unruhe und Misstönen. Mit Birgit Prinz als Symbol des Niedergangs. Von der Leitfigur zur Leidensfigur: „In der ersten Emotion habe ich mich gefragt: Was soll das eigentlich? Was tue ich mir eigentlich an?“

Ehrliche Sympathie für die anderen

Nadine Angerer
Die deutsche Torhüterin Nadine Angerer

Die deutsche Mannschaft war schlecht vorbereit auf die unbekannten Dimensionen einer Heim-Weltmeisterschaft mit all ihren Facetten. Das gesteigerte Medieninteresse, anfangs mit Humor genommen, überforderte die Spielerinnen zunehmens. Ausverkaufe Arenen und große Kulissen sorgten für Druck und schwere Beine. Leistungsträgerinnen konnten keine Impulse geben. Die Schuldige war umgehend ausgemacht: Blitzschnell zeigten alle mit dem Finger auf Silvia Neid – die nach tagelangem verwirrenden Zick-Zack-Kurs weitermachen darf. Trotz Erklärungsnot: „Unsere Mannschaft hat alles gegeben“, sagt die Trainerin. „Auch das Team hinter dem Team. Von daher kann ich auch niemanden einen Vorwurf machen.“

Die Begeisterung ebbte nach dem deutschen Aus merklich ab. Was erhalten blieb war, ehrliche Sympathie für weltoffene Teams wie Schweden und die USA und Bewunderung für den Sensations-Weltmeister aus Japan. Mit dem Schmerz von Fukushima in den Köpfen zauberten die Japanerinnen den Menschen in ihrer Heimat ein Lächeln ins Gesicht. Sie verkörpern den modernen Frauenfußball. Körperbetont, athletisch und clever.

Die Japanerinnen sind Fußballweltmeister.
Die Japanerinnen feiern den ersten Fußballweltmeistertitel ihres Landes.

Und Deutschland nahm das Ereignis an. ARD und ZDF erreichten mit ihren Live-Übertragungen kaum für möglich gehaltene Traumquoten. Das Organisations-Team rund um Steffi Jones sorgte für einen perfekten Rahmen. „Wir haben eine tolle Atmosphäre in den Stadien, wir haben tolle TV-Quoten und eine Medienresonanz, die wir nicht so erwartet hätten“, sagte Steffi Jones. „Das ist alles sehr positiv zu bewerten. Wir haben, finde ich, ab dem Viertelfinale auch richtig richtig guten Fußball gesehen.“

Die WM bot aber auch negativen Gesprächsstoff. Überforderte Schiedsrichterinnen, slapstick-artige Torfraueinlagen und – als absoluter Stimmungskiller – der unfassbare Dopingskandal im Team der unnahbaren Nordkoreanerinnen. Drei stimmungsvolle Wochen sind vorbei. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Frauenfußball Potenzial für mehr als nur eine Nebenrolle hat. Umso bitterer ist da die Feststellung, dass für dieses Sommermärchen kein besseres Ende geschrieben wurde.

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