Arbeiten in Fukushima werden noch viele Jahre dauern

Die Vorbereitungen zur Stilllegung des japanischen AKW Fukushima I laufen nach Regierungsangaben wie geplant, werden aber noch viele Jahre andauern.

Die erste Etappe zur Stabilisierung der sechs beschädigten Reaktoren sei mit der Inbetriebnahme eines provisorischen Kühlsystems fast fristgerecht abgeschlossen worden, sagte Regierungschef Naoto Kan. „Wir sind dabei, die zweite Etappe zu beginnen“, sagte er vor dem Parlament. Der wegen seines Krisenmanagements umstrittene Kan versicherte den Abgeordneten, man bewege sich auf das Ende der Krise zu.

Medienberichten zufolge gehen Tepco und die Regierung aber davon aus, dass sie erst 2021 mit der Entnahme der in drei Reaktoren geschmolzenen Brennstäbe beginnen können. Minister Goshi Hosono sagte, es gebe dafür noch keinen Fahrplan, man beginne derzeit mit den Planungen. Laut Regierungsangaben müssen 80.000 evakuierte Anwohner möglicherweise noch bis Januar warten, bis sie erfahren, ob sie nach Hause zurückkehren können.

Provisorisches Kühlsystem gestoppt

Arbeiten am AKW Fukushima
Arbeiten am AKW Fukushima: Kühlsystem und Dekontaminierungsanlage installiert – Brennstäbe noch lange nicht entnommen.

Die Betreiberfirma Tepco hatte in den vergangenen Wochen ein provisorisches Kühlsystem eingerichtet. Dieses soll es bis Januar ermöglichen, die Temperatur in den drei am stärksten beschädigten Reaktoren auf unter hundert Grad zu senken.

Tepco ist es insbesondere gelungen, eine Anlage zur Dekontaminierung des nuklear verseuchten Kühlwassers einzurichten. Dies erlaubt es, das Wasser soweit zu reinigen, dass es wieder zur Kühlung eingesetzt werden kann.

Rindfleischlieferungen gestoppt

Die Regierung wies unterdessen den Gouverneur der Präfektur Fukushima an, die Lieferung von Rindfleisch an Fleischfabriken zu stoppen, bis die Sicherheit des Fleisches bestätigt werden könne. Rund 650 Rinder sollen landesweit seit dem Atomunfall im März radioaktiv verseuchtes Heu aus Fukushima gefressen haben, mehr als 500 Rinder davon stammen aus der Präfektur selbst.

Fleisch dieser Rinder soll an alle 47 Präfekturen des Landes ausgeliefert und teilweise bereits verzehrt worden sein. „Ich fühle mich verantwortlich, dies nicht verhindert zu haben, und es tut mir sehr leid“, sagte Kan.

Schwerster Unfall seit Tschernobyl

Am 11. März hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Flutwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Die Naturkatastrophe beschädigte wichtige Teile des Kraftwerks 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tokio, in mehreren Reaktoren kam es daraufhin zur Kernschmelze. Das Unglück gilt als der schwerste Reaktorunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren.

Zehntausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, weite Teile der Gegend um das Kraftwerk wurden radioaktiv verseucht. Auch in einer Reihe von Nahrungsmitteln wurden seitdem erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen.

Original, Google Cache, archive.org

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