Israelische Soldaten entern Schiff von Aktivisten

Die israelische Marine hat im Mittelmeer ein Hilfsschiff mit Kurs auf den Gazastreifen abgefangen und geentert. Auf der Yacht befinden sich 16 Aktivisten und Journalisten. Sie wollen auf die seit 2007 anhaltende Blockade des Gazastreifens durch Israel aufmerksam machen.

Von Tim Aßmann, zur Zeit ARD-Hörfunk Tel Aviv

Israels Generalstabschef gab den Befehl zum Entern. Marinesoldaten übernahmen daraufhin in internationalen Gewässern die Kontrolle über die französische Jacht. Dabei soll es nach israelischen Behördenangaben keine Zwischenfälle gegeben haben. Details der Aktion wurden bislang nicht bekannt.

Man habe angeboten, dass Hilfsgüter für Gaza auch in einem israelischen oder ägyptischen Hafen entladen werden könnten, teilte die israelische Marine mit. Die Besatzung der Jacht habe aber darauf bestanden, die Fahrt nach Gaza fortzusetzen.


Die französische Jacht „Dignité al Karama“ auf dem Weg zum Gazastreifen, bevor sie von der israelischen Marine festgesetzt wurde.

Rund 70 Kilometer von Gazas Küste entfernt

Als die Marine den Kontakt aufnahm, war die „Dignité al Karama“ noch rund 70 Kilometer von Gazas Küste entfernt. Das berichtete die Journalistin Amira Hass von der links-liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz. Sie ist an Bord der Jacht – zusammen mit einem Kamerateam des Fernsehsenders Al Dschasira.

Der israelische Rundfunk spielte einen kurzen Ausschnitt eines Telefoninterviews mit einem der Mitarbeiter. Der Mann schilderte das Verhalten der israelischen Marine und berichtete, der einzige Kontakt zur Außenwelt sei sein Telefon.

Insgesamt befinden sich 17 Menschen auf dem Schiff. Zehn von ihnen sind pro-palästinensische Aktivisten, überwiegend handelt es sich um Franzosen. Nach unterschiedlichen Berichten hatten drei bis fünf israelische Kriegsschiffe die unter französischer Flagge fahrende Jacht eingekreist.

Laut Besatzung keine Waffen an Bord

Israelische Medien berichten, die Menschen an Bord seien über Funk aufgefordert worden, sich zu identifizieren. Außerdem hätte die Marine wissen wollen, ob sich Waffen an Bord befänden. Dies hätte ein Sprecher der Besatzung verneint und angegeben, das Ziel des Schiffes sei Gaza.

Die „Dignité al Karama“ ist das bisher einzige Schiff der „Freedom-Flottilla-Two“ für Gaza, das es überhaupt in die Nähe des abgeriegelten Küstenstreifens geschafft hat. Der Jacht war am Wochenende das Verlassen eines griechischen Hafens gelungen.

Die Besatzung hatte Ägypten als Ziel genannt und dann Kurs auf Gaza genommen. Die griechischen Behörden hatten insgesamt zehn Schiffe der Flottille in ihren Häfen festgesetzt. Beobachter in Israel führen das auf diplomatische Kontakte zwischen Athen und Jerusalem zurück.

Neun Tote bei Vorfall im letzten Jahr

Als im Mai vergangenen Jahres die israelische Marine eine Gaza-Hilfsflottille in internationalen Gewässern stoppte, kam es zu einem blutigen Handgemenge auf einem der Schiffe. Neun türkische Aktivisten kamen ums Leben. Als Teilnehmerin der Hilfsflottille war damals auch die israelische Parlamentsabgeordnete Hanin Suabi dabei. Sie erhob danach schwere Vorwürfe gegen Israels Armee.

Die arabisch-stämmige Politikerin musste sich daraufhin in Israels Parlament, der Knesset, als Verräterin beschimpfen lassen. Schon im vergangenen Jahr wurde ihr ein Teil ihrer parlamentarischen Rechte aberkannt. Nun gab der zuständige Ausschuss der Knesset bekannt, dass sie bis zum Ende dieser Legislaturperiode auch nicht mehr im Parlament sprechen dürfe.

„Rede-Recht annulliert“

Richtig findet das der Abgeordnete Michael Ben Ari von der ultrarechten Partei „Nationale Vereinigung“: „Meine zweite Beschwerde gegen Zuabi war erfolgreich. Erst haben wir ihr den Pass weggenommen, jetzt haben wir ihr Rede-Recht annulliert.“

Es sei auch an der Zeit gewesen, dass jemand, „der Knüppel gegen israelische Soldaten schwingt, aus der Knesset fliegt. Soll sie doch nach Libyen oder nach Saudi-Arabien gehen“, wettert er.

Die „Dignité al Karama“ wird nun voraussichtlich in einen israelischen Hafen geschleppt werden.

Original, Google Cache, archive.org

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