Enterung ohne Blutvergießen

Seit Wochen versucht eine internationale Hilfsflottille in Richtung Gazastreifen auszulaufen. Nur eine kleine Jacht hat es geschafft, sich auf den Weg machen. Doch Israels Marine stoppte und enterte die „Dignité al Karama“ im Mittelmeer – ohne Blutvergießen.

Von Tim Aßmann, zur Zeit ARD-Hörfunk Tel Aviv

„Dignité al Karame, hier spricht die israelische Marine. Was ist Ihr Bestimmungsort?“ – „Unser Ziel ist der Hafen von Gaza. Gaza-Stadt.“ Mit diesem Funkverkehr begann das kurze Kräftemessen auf hoher See zwischen mehreren israelischen Kriegsschiffen und der französischen Yacht „Dignité al Karame“. Auch auf Nachfrage der Marine bliebt die Besatzung der Jacht bei ihrem Zielort.

Auf dem Weg ins gesperrte Seegebiet

Man habe mehrfach darauf hingewiesen, dass sich das französische Schiff dem gesperrten Seegebiet vor der Küste Gazas nähere und es aufgefordert abzudrehen, teilte die israelische Marine mit. Außerdem sei angeboten worden, dass das Schiff, falls es Hilfsgüter für Gaza an Bord habe, diese in einem israelischen oder ägyptischen Hafen entladen könne. Doch an Bord der „Dignité al Karame“ ging man auf dieses Angebot nicht ein und der Kurs wurde auch nicht geändert. Auf das was nun folgte, hatte sich die israelische Marine vorbereitet.


Ein Schiff der israelischen Marine (links) exkortiert die französische Yacht „Dignité al Karama“ zum Hafen von Ashdod.

„Nach mehrmaligem Kontakt war klar dass die Crew ihren Kurs nach Gaza nicht ändern würde,“ sagte Armeesprecher Barak Raz. Deshalb hätte die Marine von der politischen Ebene den Befehl zum Entern erhalten und sei an Bord gegangen. „Das lief sehr professionell ab. Wir achteten auf die Sicherheit aller an Bord. Alles wirkte normal. Sie bekamen Essen und Wasser,“ sagte Raz.

Entern ohne Gewalt

Schlauchboote brachten Kommandosoldaten der Marine auf die Jacht. Die 17 Personen an Bord hätten keinerlei Widerstand geleistet, teilte die Marine mit. Die Aktion sei völlig reibungslos verlaufen. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien wohlauf. Man habe sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. Sie würden befragt und die Ausländer voraussichtlich aus Israel abgeschoben.

Die „Dignité al Karame“ wurde in den israelischen Hafen Ashdod geschleppt. An Bord der Jacht waren unter anderem zehn pro-palästinensische Aktivisten, überwiegend Franzosen, und drei Journalisten, darunter die israelische Autorin Amira Hass von der links-liberalen Zeitung „Haaretz“ und ein Kamerateam des Senders „Al Dschasira“.

Teil eine Hilfsflottille

Das Schiff ist das einzige der aktuellen Hilfsflottille für Gaza, das es überhaupt in die Nähe des von Israel abgeriegelten Küstenstreifens schaffte. Die meisten Schiffe der sogenannten „Freedom Flottilla Two“ liegen noch in griechischen Häfen, wo die Behörden ein Auslaufen weiter verhindern. Offenbar hatte Israel alle diplomatischen Kontakte zur griechischen Regierung genutzt, um deren Hilfe zu erreichen.

Der „Dignité al Karame“ war es gelungen, griechische Gewässer zu verlassen, nachdem der Kapitän Ägypten als Ziel angegeben hatte. Doch die Jacht nahm Kurs auf Gaza. Dass sie dort nicht ankommen würden, dürfte den Aktivisten klar gewesen sein. Ihnen ging es um das Signal. Sie wollten die Welt erneut an die Blockade des Gaza-Streifens erinnern.

Israels Sorge vor Waffenschmuggel

Das war auch die Absicht der Hilfsflottille, die im Mai vergangenen Jahres von der israelischen Marine geentert wurde. Neun türkische Aktivisten starben im Handgemenge der blutigen Enteraktion. Die öffentliche Empörung über Israels Verhalten war groß und die Regierung in Jerusalem lockerte die Blockade des Gazastreifens.

Die meisten Güter kommen seitdem ungehindert hinein. Vor allem die so dringend benötigten Baumaterialien unterliegen aber weiter der Blockade. Dass auch die Abriegelung zur See aufrecht erhalten wird, begründet Israel mit der Sorge vor Waffenschmuggel.

Original, Google Cache, archive.org

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