Gezerre um die Macht bei Media-Saturn

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Wer künftig bei der Media-Saturn-Holding mitentscheiden darf, wird gerichtlich geklärt.

Vor dem Landgericht Ingolstadt hat die juristische Auseinandersetzung um die Macht bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn begonnen. Firmengründer Erich Kellerhals will im Prozess gegen den Mehrheitseigner Metro, der 75 Prozent der Anteile der Dachgesellschaft Media-Saturn-Holding hält, den Erhalt des Vetorechts bei wichtigen Unternehmensentscheidungen durchsetzen. Kellerhals besitzt noch 21,6 Prozent der Anteile und kommt zusammen mit dem zweiten Alteigentümer Leopold Stiefel auf 25 Prozent der Anteile an der Media-Saturn-Holding.

Streit um Sperrminorität

Der Gesellschaftsvertrag sichert Kellerhals und Stiefel eine Sperrminorität. Denn für wesentliche Entscheidungen ist eine Mehrheit von 80 Prozent erforderlich. Um dennoch wichtige Beschlüsse ohne die Zustimmung der beiden Alteigentümer fassen zu können, hatte der Handelskonzern Metro für die Gründung eines Beirats gesorgt. Dieser kann laut Satzung dann eingerichtet werden, wenn kein oder nur noch ein Gesellschafter Geschäftsführer der Holding ist. Dieser Beirat soll künftig als Entscheidungsgremium an die Stelle der Gesellschafterversammlung treten. Aus Metro-Sicht könnten in diesem Beirat Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefasst werden.

Kellerhals und Stiefel sehen durch dieses Vorgehen ihre Minderheitsrechte innerhalb des Unternehmens verletzt. Kellerhals wirft Metro vor, die Sperrminorität aushebeln zu wollen. Er reichte daher Klage gegen den Handelskonzern ein und pocht auf sein Mitspracherecht. Strittig ist dabei nicht nur, ob der Beirat rechtmäßig gegründet wurde, sondern auch, welche Befugnisse er hat und welche Mehrheit für Beschlüsse des Beirats erforderlich ist.

Zum Auftakt des Prozesses deutete sich ein Erfolg für Kellerhals an. „Es erscheint nach vorläufiger Bewertung, dass die Einrichtung eines Beirats wirksam beschlossen ist, dass der aber nicht die Machtfülle hat, die er nach Auffassung der Beklagten haben soll“, sagte Richter Konrad Kliegl. Durch das Gremium ändere sich das Machtgefüge bei Media-Saturn wahrscheinlich nicht so, wie Metro sich das vorstelle. Kliegl kritisierte die bislang mangelnde Gesprächsbereitschaft der beiden Seiten und drängte zu einer gütlichen Einigung, „Es wäre angezeigt, dass die Gesellschafter darüber nachdenken, ob man die Geschichte unternehmerisch voranbringt“, sagte er. Beiden Seiten sollten ernsthaft eine außergerichtliche Schlichtung erwägen. Seine Entscheidung will das Gericht am 11. Oktober verkünden.

Streit um Ausrichtung des Konzerns

Metro hatte immer wieder betont, der Konzern wolle die Rechte, die sich aus einem Mehrheitsanteil von 75 Prozent ergäben, angemessen ausüben und seine „satzungsgemäßen Rechte“ bei Media-Saturn wahrnehmen. Kellerhals habe bislang aber alle Vorschläge der Metro zu einer Lösung des Konflikts ausgeschlagen. Die Streitigkeiten resultieren auch aus den unterschiedlichen Auffassungen zur weiteren Ausrichtung von Media Markt und Saturn. Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes warf den Alteigentümern vor, die internationale Expansion von Media-Saturn und den überfälligen Einstieg in den Internet-Handel durch ihr Vetorecht massiv zu verzögern.

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