Ein Hochhaus wippt im Eurodance-Takt

Die 90er-Jahre gelten nicht gerade als goldene Zeit in der Musikgeschichte. Der Glanz der 60er und 70er war lange verblasst, die Neue Deutsche Welle war verschwappt – was kam waren Techno und der seltsame Eurodance-Hybrid. Dabei sorgten tanzbare elektronische Klänge, eine attraktive Sängerin und ein rappender Schwarzer für Erfolge in den Charts. Auch das deutsche Duo SNAP! war mit mit einer ähnlichen Kombination jahrelang erfolgreich. Bereits mit ihrem Erstling „The Power“ gelang der Formation der internationale Durchbruch.

Gut 21 Jahre später hat das Lied nun am 5. Juli ein durchschlagendes Comeback gefeiert. Die rhythmischen Bewegungen einer Aerobic-Klasse zu „The Power“ versetzten ein Hochhaus in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul so stark in Schwingungen, dass hunderte Menschen in Panik das 39-stöckige Gebäude verließen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest der Architekturprofessor Chung Lan von der Dankook-Universität, der den Vorfall untersucht hat.

Schuld war der Fitnesstrainer

Das TechnoMart-Hochhaus in Seoul
Voll im Takt – das TechnoMart-Hochhaus

Sein Team habe die Tae-Bo-Übungen, einer Mischung aus Aerobic und Kampfsportbewegungen wie beim Taekwondo, im Fitnesscenter im zwölften Stock des Gebäudes nachgestellt und 23 Menschen – genauso viele wie am 5. Juli – gleichzeitig rennen und springen lassen. „Aus dem Experiment haben wir gefolgert, dass das Hüpfen im Fitnesscenter die Erschütterung des Gebäudes verursacht hat“, zitierte die Zeitung „The Korea Times“ den Architekturprofessor. Messungen mit einem „Vibrometer“ im 38. Stockwerk hätten ergeben, dass die Vibrationen zehn Mal so stark wie sonst gewesen seien.

Einem Radiosender sagte der Professor, das Gebäude aus Eisenträgern habe eine charakteristische Vibration, die „gleichphasig“ sei mit den aufeinander abgestimmten Bewegungen der Tae-Bo-Sportler. Ähnliche Resonanzphänomene sind auch bei Brücken oder Fahrzeugkarosserien bekannt. Einen Schuldigen hat Chung auch bereits ausgemacht. Die Gruppe aus „Erwachsenen mittleren Alters“ war von einem neuen Fitnesslehrer angeleitet worden. Dieser habe die Übungen „doppelt so hart durchgeführt“ wie sonst üblich.

Das TechnoMart-Hochhaus, das nach der Panik am 5. Juli geschlossen worden war, ist von den Behörden inzwischen übrigens wieder freigegeben worden. Auch das Fitnessstudio soll voraussichtlich wieder öffnen – Taebo-Kurse soll es nach Aussage der Bezirksverwaltung dort aber wohl nicht mehr geben. Damit ist vermutlich auch das asiatische Comeback von SNAP! beendet, bevor es richtig an Fahrt gewonnen hat.

Original, Google Cache, archive.org

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