Zum ersten Mal nur Freiwillige

Bundespräsident Wulff und Verteidigungsminister de Maizière beim Gelöbnis der Bundeswehrrekruten
Bundespräsident Wulff und Verteidigungsminister de Maizière beim Gelöbnis der Bundeswehrrekruten

Vor dem Berliner Reichstag haben insgesamt 470 Bundeswehrrekruten ihr feierliches Gelöbnis abgelegt. Erstmals waren unter ihnen ausschließlich Freiwillige, denn seit dem 1. Juli ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt – nachdem sie ein halbes Jahrhundert lang der Grundpfeiler der Bundeswehr gewesen war.

Bundespräsident Christian Wulff warnte in seiner Rede vor einer neuen Gleichgültigkeit gegenüber der Bundeswehr. Deutschlands Soldaten gehörten „in unsere Mitte, in unsere Schulen und Hochschulen und auf öffentliche Plätze“, sagte Wulff bei der Zeremonie. „Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit in der Gesellschaft führen. Hier mache ich mir durchaus Sorgen, die hoffentlich unberechtigt sind.“ Die Gesellschaft müsse sich auch „noch mehr kümmern – gerade um die, die in ihrem Einsatz innerlich oder äußerlich verwundet wurden“.

„Freiwilligenarmee ist wichtiger Teil der Gesellschaft“

Verteidigungsminister Thomas de Maizière erinnerte daran, dass der Dienst in den Streitkräften eine innere Überzeugung voraussetze. Das sollte auch die Bevölkerung verstehen und die Freiwilligenarmee weiterhin als wichtigen Teil der Gesellschaft begreifen. „Ohne die demokratische Gesellschaft kann die Bundeswehr wenig ausrichten. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne die Bundeswehr kann der demokratische Staat nicht bestehen.“ Beide seien aufeinander angewiesen.

Bundeswehrrekruten beim Gelöbnis in Berlin
470 Bundeswehrrekruten legten ein feierliches Gelöbnis ab.

Das öffentliche Gelöbnis fand am 67. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler statt. Mit der Zeremonie in der Nähe des Bundestages will die Bundeswehr ihr Bekenntnis als Streitkräfte in der Demokratie ablegen. Zum anderen stellt sich die deutsche Armee mit diesem Datum bewusst in die Tradition der Männer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Verschwörern versucht hatte, Adolf Hitler zu töten.

Erste Austritte aus der Freiwilligenarmee

Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht am 1. Juli traten 3400 Frauen und Männer freiwillig den Wehrdienst an. Unterdessen wurde bekannt, dass die ersten Rekruten den Dienst schon wieder quittiert haben. Das Verteidigungsministerium nannte aber noch keine Zahlen. Das Ministerium erklärte, ein Trend sei frühestens im Oktober feststellbar. Die bisher bekannten Zahlen – angeblich bis zu 20 Prozent – lägen „absolut im Bereich des Normalen“. Die Freiwilligen haben eine sechsmonatige Probezeit, in der beide Seiten ohne Angaben von Gründen kündigen können.

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