Überleben als Unternehmer in Griechenland

Die Athener Familie Frangos muss sich seit der Krise jede Ausgabe gut überlegen: Jede Autofahrt, jedes Kleidungsstück. Der Vater ist Unternehmer, auf Messestände für Firmen spezialisiert. Seine Hoffnung ruht auf Unternehmen, die das Ausland ins Visier nehmen.

Von Anna Koktsidou für das ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Athen

Auf den ersten Blick ist die Krise nicht sichtbar – zumindest nicht, wenn man sich im Wohnzimmer der Familie Frangos umschaut: sorgfältig eingerichtet, mit schönen Möbeln und Bildern und wertvollen Vasen. Doch der Schein trügt. Dimitris Frangos hat sich mit seiner Firma auf Messestände spezialisiert, sein Team konzipiert und erstellt für Kunden ihre Auftritte auf Ausstellungen. Und das Geschäft läuft gar nicht gut. „Die Unternehmen schränken ihre Teilnahme an Messen ein oder sie sparen an der Größe der Messestände“, erzählt Frangos.

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Denn bei allen wird das Geld immer knapper, und alle müssen sparen. Das Ergebnis: immer weniger Aufträge. Und das wirkt sich aus: „Unser Umsatz beträgt nur noch 50 bis 60 Prozent vom ursprünglichen Umsatz, in den vergangenen vier Monaten musste ich Personal abbauen, etwa um die Hälfte“, berichtet Frangos. „Ich hatte früher, neben dem freiberuflichen Personal, 14 Festangestellte – jetzt sind das nur noch sieben.“

Auch privat heißt es für die Familie streng haushalten, jede Ausgabe wird gut überlegt, jedes Kleidungsstück, jede Fahrt mit dem Auto. Was nicht nötig ist, wird vertagt.

Rund 17 Prozent Arbeitslosigkeit

Eine griechische Euromünze
„Manche vergraben ihr Geld sogar im Garten“, berichtet Dimitrios Katsikas.

Die griechische Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession – das Bruttoinlandsprodukt sank 2010 um 4,5 Prozent, die Arbeitslosigkeit beträgt rund 17 Prozent. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung haben nicht dazu beigetragen, einen Weg aus der Krise zu zeigen. Sie kürzte dort, wo es leicht war – bei den Arbeitern, Angestellten, Rentnern. Aber sie versäumte es, einen Plan aufzustellen, um die Wirtschaft anzukurbeln.“Das Ergebnis war das denkbar Schlechteste: Es förderte die Unsicherheit. Und wenn Unsicherheit herrscht, wird weder investiert noch konsumiert“, sagt Dimitrios Katsikas vom Forschungsinstitut ELIAMEP. „Stattdessen heben die Menschen ihr Geld von der Bank ab, sie schicken es ins Ausland und manche vergraben es sogar im Garten.“

Jetzt endlich kommen die ersten Schritte in Richtung Bürokratieabbau; im Eiltempo geht es auch an die Privatisierungen, um die Kassen zu füllen. Wie erfolgreich das sein wird – da gehen die Meinungen auseinander.

Nur zwei von zehn Kreditanträgen werden bewilligt

Trotz aller Krise – Potenzial sei da, meinen die Experten. Allerdings fehlt es an Liquidität: Nur zwei von zehn Kreditanträgen würden bewilligt. Doch gerade die gesunden Unternehmen müssten wieder an Geld herankommen. Damit neue Absatzmärkte erschlossen werden können. Denn es zeigt sich, dass mitten in der Krise die Exporte Griechenlands gestiegen sind – 2010 um über zehn Prozent.

Fragen und Antworten

Strengt sich Griechenland genug an?
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„Traditionelle Bereiche laufen bestens“

Auch dieses Jahr läuft es für manche Unternehmen bestens, und zwar in „allen Bereiche, in denen Griechenland traditionell stark ist“, so Martin Knapp, Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen. „Das sind natürlich vielfach die Lebensmittel, das sind aber auch durchaus industrielle Produkte wie Pharmazeutika und andere.“

Das ist auch die Hoffnung von Dimitris Frangos: die Unternehmen, die das Ausland ins Visier nehmen. Viele von ihnen suchen neue Kunden und Kontakte auf internationalen Messen – und für sie kann Frangos die Stände aufbauen, in Frankfurt oder Köln oder sogar in den USA. Diese Aufträge sichern momentan das Überleben der Firma. Ein neuer Lichtblick, meint er und spricht sich Optimismus zu – wenngleich halbherzig: „Wir müssen optimistisch sein, sonst können wir einpacken. Aber es ist alles sehr schwer und es wird noch schwerer.“

Original, Google Cache, archive.org

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