Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Hadzic gefasst

Die serbischen Behörden haben den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Goran Hadzic verhaftet. Das bestätigte Staatspräsident Boris Tadic. „Damit beendet Serbien eines der schwierigsten Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal“, sagte er in Belgrad.

„Das war unsere moralische Pflicht“, erklärte das Staatsoberhaupt weiter. Immer wieder erhobene Vorwürfe, Serbien habe Hadzic jahrelang versteckt, seien „absolut unwahr“: „Serbien wusste nicht, wo er war“.

Nahe Novi Sad verhaftet

Laut Tadic wurde Hadzic am Vormittag in der Bergregion Fruska Gora nahe der nördlichen Stadt Novi Sad verhaftet. Der staatliche Sender RTS hatte gemeldet, dass der 52-Jährige dort in einem Kloster aufgespürt worden. Tadic dementierte dies.

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Bis zum Beginn des Krieges hatte Hadzic sein Geld als Lagerarbeiter verdient und sich nebenher in der Kommunistischen Partei engagiert. Später wechselte er ins nationalistische politische Lager. Der mutmaßliche Kriegsverbrecher war der Präsident der serbischen Minderheit in Kroatien während des Bürgerkrieges (1991-1995). Ihm wird unter anderem das Massaker serbischer Verbände im ostkroatischen Vukovar im November 1991 zur Last gelegt. Damals waren 264 Kroaten ermordet worden.

Seit Jahren auf der Flucht

Hadzic war seit Jahren auf der Flucht. Schon einmal, im Juli 2004, wollte die serbische Polizei Goran Hadzic verhaften. Doch er war untergetaucht. Seine Verhaftung war eine Bedingung für die weitere Annäherung Serbiens an die EU. Belgrad hofft jetzt, mit der Auslieferung aller vom UN-Tribunal gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher bis zum Jahresende offiziell EU-Beitrittskandidat zu werden.

Im Mai war der serbische General Ratko Mladic festgenommen und an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt worden.

Die Europäische Union begrüßte die Verhaftung von Hadzic. Dies sei „ein weiterer wichtiger Schritt für Serbien“ und die „europäische Perspektive“ des Landes sowie für die internationale Justiz, erklärten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einer gemeinsamen Stellungnahme in Brüssel.

Hadzic müsse nun umgehend an das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien überstellt werden, hieß es weiter. Nach Informationen der Nachrichtenagentur afp solle dies binnen einer Woche geschehen.

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  • Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Goran Hadzic gefasst
  • Länge: 0:01:11
  • Datum: 2011-07-20T12:15:00.000+02:00

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