Cameron muss sich erklären

Für seine heutige Rede vor dem Parlament hat Großbritanniens Premierminister David Cameron sogar seine Afrikareise verkürzt: Die Parlamentarier beschäftigen sich in einer außerordentlichen Sitzung mit den illegalen Recherchemethoden bei der mittlerweile eingestellten Zeitung „News of the World“ des Medienmoguls Rupert Murdoch. Cameron sieht sich wegen seiner engen Kontakte zu Murdoch-Mitarbeitern mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Der Labour-Abgeordnete Gerald Kaufman fragte: „Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?“ Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron einen „katastrophalen Einschätzungsfehler“, als er den früheren „News of the World“-Chefredakteur Andy Coulson zu seinem Regierungssprecher machte. Dieser war vor wenigen Tagen festgenommen worden.

Andy Coulson
Andy Coulson (Foto) fungierte als Regierungssprecher für Cameron,…

Rebekah Brooks
…Rebekah Brooks lud der Premier zu seinem 44. Geburtstag ein.

27 Begegnungen mit Rebekah Brooks in 15 Monaten

Zusätzlich unter Druck geriet Cameron, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.

Sendungsbild
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  • Annette Dittert (ARD) über die Anhörung vor dem Parlamentsausschuss
  • Länge: 0:02:13
  • Datum: 2011-07-19T22:32:00.000+02:00

Historischer Auftritt von Murdoch und Sohn

Gestern hatten sich Murdoch und sein Sohn James bei einem historischen Auftritt vor einem Parlamentsausschuss für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal entschuldigt. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung aber nicht. Die fraglichen Entscheidungen seien nicht vom Top-Management getroffen worden.

Das Erscheinen des Medienzaren vor dem Ausschuss wurde als Sensation gewertet. Nach Angaben des Senders BBC war es das erste Mal in den rund 40 Jahren, seit Murdoch Anteile an britischen Medien besitzt, dass er sich vor Parlamentariern verantworten musste. Der Australier mit US-Pass galt in Großbritannien bisher als nahezu unantastbar.

Angriff mit weißem Schaum

Während der Anhörung griff ein Mann Rupert Murdoch an.
Während der Anhörung griff ein Mann Rupert Murdoch an.

Einen kurzen Schreckmoment gab es, als ein Angreifer während der Befragung in Richtung Rupert Murdoch stürzte und diesen mit einer weißen Substanz – vermutlich Rasierschaum – bewarf. Niemand wurde verletzt, nach einer kurzen Unterbrechung ging es weiter. Bei den Angreifer handelt es sich Medienberichten zufolge um einen britischen Comedian namens Jonnie Marbles. Dieser hatte kurz zuvor über seinen Twitter-Account geschrieben, er werde das „mit Abstand Beste tun“, was er jemals gemacht habe. Ob Marbles es nun war oder nicht – sein Twitter-Account hat seit gestern Tausende neue Follower.

Auch Brooks „wusste von nichts“

Nach den Murdochs trat auch deren langjährige Vertraute Brooks vor den Ausschuss. Sie war am vergangenen Freitag als Vorstandschefin der Zeitungsholding News International zurückgetreten. Brooks betonte erneut, nichts von den illegalen Praktiken bei „News of the World“ gewusst zu haben. Sie gab allerdings zu, dass die Vorfälle nach ihrem Bekanntwerden vor mehreren Jahren schneller hätten aufgearbeitet werden müssen.

Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Blatts „News of the World“. Dessen Reporter hatten die Telefone von 4000 Prominenten, Verbrechensopfern, Hinterbliebenen und Soldatenwitwen illegal abgehört.

Original, Google Cache, archive.org

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