Cameron weist zurück und bedauert ein bisschen

Beim Abhörskandal in Großbritannien steht heute Premierminister David Cameron im Fokus. In einer Stellungnahme vor dem Parlament schloss er jedes Fehlverhalten in dem Fall aus. Seine Mitarbeiter hätten sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen „vollkommen richtig“ verhalten. Das gehe auch aus dem jüngst veröffentlichten E-Mail-Verkehr zwischen seinem Stabschef mit dem mittlerweile zurückgetretenen Vize-Polizeichef John Yates hervor.

Zugleich wies der Premierminister den Vorwurf der Opposition zurück, er habe mit seinen zahlreichen Kontakten zu Managern und Journalisten des Medienkonzern News Corp gegen Verhaltensregeln des Parlaments verstoßen. Oppositionsführer Ed Miliband ließ dies allerdings nicht gelten und forderte Cameron vor dem Unterhaus zu einer Entschuldigung dafür auf, dass er mit Andy Coulson einen ehemaligen Chefredakteur des Boulevardblatts „News of the World“ vorübergehend zum seinem Medienberater ernannt hatte.

„Ich übernehme dafür die Verantwortung“

In diesem Punkt zeigte Cameron Reue: Wenn er gewusst hätte, was er heute wisse, hätte er Coulson nicht zum Kommunikationschef seiner Regierung gemacht. „Es war meine Entscheidung, und ich übernehme dafür die Verantwortung“, sagte Cameron während der außerordentlichen Sitzung des Parlaments. Er bereue es und es tue ihm leid, dass er damit für so viel Aufruhr gesorgt habe. Es müsse nun aber erst festgestellt werden, ob Coulson tatsächlich schuldig sei.

Cameron war in die Kritik geraten, weil Coulson während seiner Zeit bei dem Boulevardblatt über die dortigen Abhör- und Bestechungsmethoden Bescheid gewusst haben soll. Coulson war im Januar von seinem Job bei der Regierung zurückgetreten.

Andy Coulson
Andy Coulson (Foto) fungierte als Regierungssprecher für Cameron,…

Rebekah Brooks
…Rebekah Brooks lud der Premier zu seinem 44. Geburtstag ein.

27 Begegnungen mit Rebekah Brooks in 15 Monaten

Zusätzlich unter Druck geraten war Cameron, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden. Zum Verhältnis zu Brooks äußerte sich Cameron bislang nicht. Sie hatte gestern vor dem Parlamentsausschuss erklärt, nichts von den illegalen Praktiken bei „News of the World“ gewusst zu haben.

Historischer Auftritt von Murdoch und Sohn

Gestern hatten sich Murdoch und sein Sohn James bei einem historischen Auftritt vor einem Parlamentsausschuss für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal entschuldigt. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung aber nicht.

Angreifer muss sich vor Gericht verantworten

Während der Anhörung griff ein Mann Rupert Murdoch an.
Während der Anhörung griff ein Mann Rupert Murdoch an.

Einen kurzen Schreckmoment gab es, als ein Angreifer während der Befragung in Richtung Rupert Murdoch stürzte und diesen mit einer weißen Substanz – vermutlich Rasierschaum – bewarf. Niemand wurde verletzt, nach einer kurzen Unterbrechung ging es weiter. Bei den Angreifer handelt es sich Medienberichten zufolge um einen britischen Comedian, der sich Jonnie Marbles nennt. gegen ihn läuft inzwischen ein Strafverfahren. Jonatahn May-Bowles, wie er richtig heißt, muss sich nach den Angaben der britischen Polizei wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten. Am Freitag solle er vor Gericht erscheinen.

May-Bowles hatte kurz vor seiner Attacke über seinen Twitter-Account geschrieben, er werde das „mit Abstand Beste tun“, was er jemals gemacht habe. Ob Marbles es nun war oder nicht – sein Twitter-Account hat seit gestern Tausende neue Follower.

Infografik News Corporation

Original, Google Cache, archive.org

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