Die verheerendste Dürre seit mehr als 50 Jahren

Wegen der schweren Dürre am Horn von Afrika sind Teile Somalias nach Angaben der UNO von einer akuten Hungersnot betroffen. Zehntausende Menschen seien bereits an den Folgen von Unterernährung gestorben, sagte UN-Sprecher Mark Bowden.

Eine somalische Mutter mit ihrem Kind im Flüchtlingslager Dagahaley in Kenia
Eine somalische Mutter mit ihrem Kind im Flüchtlingslager Dagahaley in Kenia

Die Vereinten Nationen benötigten in den kommenden zwei Monaten 300 Millionen Dollar (212 Millionen Euro) zusätzlich für Nothilfe, hieß es. Mehr als die Hälfte der etwa 3,7 Millionen Somalier seien von der Hungersnot betroffen.

„Somalia steht hinsichtlich der Nahrungsmittelversorgung vor der schlimmsten Krise seit 20 Jahren“, sagte Bowden. „Die verzweifelte Lage erfordert sofortiges Handeln, um Leben zu retten.“ Die Dürre sei die verheerendste seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Vorräte reichen nicht aus

Zwei Regionen im Süden des Landes seien bereits von einer Hungersnot betroffen, und ohne Soforthilfe werde sich diese schnell auf weitere Landesteile ausbreiten, sagte der Sprecher weiter. Die vorhandenen Vorräte an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten und Notunterkünften seien nicht ausreichend.

Eine akute Hungersnot herrscht laut UNO dann, wenn in mindestens 20 Prozent der Haushalte extremer Nahrungsmittelmangel besteht und mehr als 30 Prozent der Menschen stark unterernährt sind. Ein weiterer Richtwert ist der Hungertod von täglich mindestens zwei Menschen pro 10.000 Einwohner. Dies sei nach Einschätzung der Vereinten Nationen derzeit in den somalischen Regionen Bakool und Unter-Shabelle der Fall.

Bis zu 90 Prozent der Viehherden verendet

Auch die Hilfsorganisation Oxfam forderte die internationale Gemeinschaft zu schneller Hilfe auf. In einigen Regionen des Landes seien bis zu 90 Prozent der Viehherden wegen der Dürre verendet. Oxfam erklärte, von der benötigten eine Milliarde Dollar (700 Millionen Euro) zur Bekämpfung der Hungersnot seien bislang erst 200 Millionen Dollar (rund 140 Millionen Euro) bereitgestellt worden.

In den vergangenen zwei Wochen hatte Großbritannien 145 Millionen Dollar zugesagt, Spanien zehn Millionen Dollar, Deutschland 8,5 Millionen Dollar und die EU rund acht Millionen Dollar.

Bürgerkrieg seit 1991

In Somalia herrscht seit dem Sturz von Machthaber Siad Barre 1991 Bürgerkrieg. Die schwache Übergangsregierung kontrolliert nur einen kleinen Teil von Mogadischu.

Große Gebiete der Hauptstadt sowie des Südens und des Zentrums des Landes sind in der Hand der Shebab-Miliz. Die hatte vor zwei Jahren alle ausländischen Hilfsorganisationen aus dem zentralen und südlichen Teil Somalias verbannt – mit der Begründung, sie seien „Kreuzritter“ und würden für den Westen spionieren.

Sendungsbild
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  • Somalische Übergangsregierung kämpft gegen Hunger und islamistische Milizen
  • Länge: 0:03:34
  • Datum: 2011-07-19T22:51:00.000+02:00

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