Macht und Meinungsmache bei Fox News

Der Abhörskandal in Großbritannien zieht immer weitere Kreise. Auch in den USA gerät Murdoch unter Druck. Reporter sollen die Telefone von 9/11-Opfern abgehört haben, das FBI ermittelt. Wesentlicher Bestandteil von Murdochs US-Geschäft ist Fox News. Wofür steht der einflussreiche Sender?

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Die Amerikaner lieben Fox News oder sie hassen es – die konservative Ausrichtung des Senders polarisiert. Doch die Quoten sind hervorragend. Millionen Zuschauer schalten ein, besonders zu den Abendshows, wenn bekennende Rechtsausleger wie Sean Hannity oder Bill O’Reilly durchs Programm führen.

Es sei nicht gut für dieses Land, nochmal zwei Billionen Dollar Schulden zu machen, wetterte Bill O’Reilly kürzlich: „Selbst die Dümmsten unter uns wissen das, aber wer will weiter Kredite aufnehmen?“ fragt er und gibt die Antwort gleich selbst: „Die Linken.“

„Parteiflügel der Republikaner“

Übertragungswagen des Fernsehsenders Fox News
Von den einen gehasst, von den anderen geliebt: Passanten posieren vor dem Übertragungswagen von Fox News.

In diesen Sendungen geht es nicht darum, Analyse oder Perspektive zu vermitteln, sondern es wird Meinung gemacht und zwar immer nur in eine Richtung: stramm konservativ.

Fox News sei praktisch ein Parteiflügel der Republikaner, sagte die damalige Kommunikationschefin der Obama-Regierung, Anita Dunn, im Herbst 2009. Deren Argumente gingen dort auf Sendung. Das könnten sie ja machen, so Dunn weiter, „aber wir sollten nicht so tun, als sei Fox News ein wirklicher Nachrichtensender.“

Der Präsident und die Macht des Senders

Der Präsident gab Fox News dann eine Zeitlang keine Interviews. Dieser Rüffel hätte allerdings konsequenter ausgesehen, wenn das Weiße Haus nicht kurz darauf so gekuscht hätte vor der Macht dieses Senders. Denn Macht hat Fox News unbestritten und im Frühsommer 2010 war sie in voller Blüte zu bewundern.

Da zeigte der Sender ein Video, auf dem eine schwarze Mitarbeiterin des US-Landwirtschaftsministeriums offenbar zugibt, dass sie weiße Farmer aus Rassismus benachteiligt hat: „Shirley Sherrod muss sofort zurücktreten“, forderte Bill O’Reilly.

Fernsehmoderator Glenn Beck in Washington D.C.
Glenn Beck, damals noch Fox-Moderator, bekundet 2010 seine Unterstützung für das US-Militär bei der von ihm organisierten Veranstaltung „Wiederherstellung der Ehre“.

Am nächsten Nachmittag wollte sich auch Moderator Glenn Beck des Themas annehmen, der damals schlimmste Hetzer bei Fox News, der den Sender vor kurzem verlassen hat.

Im Weißen Haus brach Panik aus, Sherrod wurde zum Rücktritt gedrängt. Dabei war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst klar, dass das Video von einem konservativen Blogger so zusammengeschnitten war, dass die Situation völlig falsch dargestellt wurde. Shirley Sherrod hatte sich nichts zuschulden kommen lassen.

„Fair und ausgewogen“ oder konservative Meinungsmache?

Die Chefs von Fox News argumentieren oft, die Talkshow-Kommentatoren mit ihren subjektiven Ansichten seien die eine Seite von Fox News, daneben gebe es aber auch die objektiven Nachrichtenleute. Aber gerade der Fall Shirley Sherrod hat gezeigt, dass Objektivität und journalistische Sorgfalt auch dort Mangelware sind.

Zugegeben, es gibt auch wohltuend ruhige Stimmen auf Fox News, die die Schreihalsmanier der O’Reillys und Hannitys nicht mitmachen. Chris Wallace, der respektierte Moderator des sonntäglichen Polittalks bei FoxNews, zählt dazu. Aber selbst er machte erst kürzlich im Interview mit dem Politkomiker Jon Stewart eine Aussage, die mehr als entlarvend wirkte. „Glauben sie wirklich, dass Fox News genauso ein Sender ist wie MSNBC?“, fragte Stewart.

„Wir sind das Gegengewicht dazu“, antwortet Wallace, „Die haben eine liberale Agenda und wir erzählen die andere Seite der Geschichte.“ Wallace sagte später zur Erklärung, er habe sich nur versprochen, was er gemeint habe sei: „Fox News erzähle die ganze Geschichte.“

Aber für die Fox-Gegner war die Epiosde nur der jüngste Beweis dafür, dass der Slogan „Fair und ausgewogen“, mit dem Fox News wirbt, einfach nur Hohn ist.

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