Tote bei Unruhen in Malawi

Im südostafrikanischen Staat Malawi ist es nach landesweiten Protesten zu Unruhen gekommen. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 18 Menschen getötet.

In der im Norden gelegenen Stadt Mzuzu hatten Demonstranten das Büro der Regierungspartei DPP gestürmt. Im Finanzzentrum des 13 Millionen Einwohner zählenden Landes, Blantyre, sowie in der Hauptstadt Lilongwe gingen Polizisten Einwohnern zufolge mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Auch in Karonga an der Grenze zu Tansania gab es Ausschreitungen. Viele Geschäfte blieben aus Angst vor Plünderungen und Zusammenstößen geschlossen.

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  • Ausschreitungen in Mzuzu, Malawi
  • Länge: 0:00:37
  • Datum: 2011-07-21T15:13:55.022+02:00

Der Protest entzündete sich an der Regierungsführung von Staatspräsident Bingu wa Mutharika, der das Land seit 2004 regiert. Seine Amtszeit war lange durch rasches Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, das überwiegend durch internationale Hilfe gestützt war. Rund 40 Prozent der Einnahmen des Landes gehen auf internationale Hilfsgelder zurück. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Nach einem diplomatischen Streit legte die frühere Kolonialmacht Großbritannien als größtes Geberland seine Hilfen in Höhe von 550 Millionen Dollar auf Eis. Auslöser des diplomatischen Streits mit Großbritannien war eine an die Öffentlichkeit gelangte Botschaftsdepesche, in der Mutharika als autokratisch beschrieben wird. In der Folge zog Malawi seinen Botschafter in London ab, die britische Regierung rief im Gegenzug ihren Vertreter aus der Hauptstadt Lilongwe zurück.

Die EU, Deutschland und Norwegen froren ihre Unterstützung für Malawi ebenfalls ein. Sie kritisieren Demonstrationsverbote und die überbewertete Währung des Landes. Die fehlende finanzielle Unterstützung verstärkte die Devisenknappheit im Land. Verschärft wurden die Probleme zudem durch stark gestiegene Preise für Treibstoffe.

In einer nationalen Radioansprache sagte der Präsident, er werde keinesfalls zurücktreten. „Ich werde das Land weiter regieren. Gemäß der Verfassung liegt die Regierungsführung in meinen Händen und nirgendwo anders.“ Der Präsident bot der Opposition aber einen Dialog an.

Original, Google Cache, archive.org

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