Die „Atlantis“ beendet die Ära der Spaceshuttles

Mit der Rückkehr der „Atlantis“ auf die Erde ist nach drei Jahrzehnten das US-Spaceshuttle-Programm zu Ende gegangen. Die Raumfähren ermöglichten, sowohl das Weltraumteleskop „Hubble“ als auch die Internationale Raumstation ISS in den Orbit zu bringen und dort zu warten und zu versorgen.

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington


Das Ende einer Ära: Noch vor Sonnenaufgang landete der Shuttle in Florida.

Zum letzten Mal kündigt sich ein Shuttle mit dem typischen doppelten Überschallknall für die Landung an. Es ist noch stockdunkel über dem Kennedy-Space-Center, der Himmel ist klar ohne eine einzige Wolke, als sich die Atlantis in sieben Mal steilerem Winkel als ein Verkehrsflugzeug der Landebahn nähert.

Um 5.57 Ortszeit ist es dann soweit: Atlantis legt eine Bilderbuchlandung hin. Kommandant Chris Ferguson setzt den Shuttle sanft auf dem Rollfeld auf, der weiß-rote Brems-Fallschirm entfaltet sich und bringt die Atlantis schließlich zum Stehen. Mission vollendet, teilt Kommandant Ferguson dem Kontrollzentrum in Houston mit.

Ein melancholischer Abschied

Kommandozentrale des Kennedy Space Center
Mit viel Emotionen verfolgten der Direktor des Space Center, Cabana (r.), und seine Mitarbeiter die historische Landung.

„Gratulation an Atlantis und Tausende leidenschaftliche Menschen in dieser großartigen Raumfahrtnation, die an diesem unglaublichen Raumfahrzeug mitgearbeitet haben“, antwortet Houston. „Das Shuttle hat Millionen Menschen inspiriert. Gut gemacht, Amerika!“ In der Stimme von Atlantis-Kommandant Chris Ferguson vermischen sich Melancholie und Optimismus, als er sagt, dies ist ein sehr emotionaler Tag, aber eins ist sicher: Amerika wird nicht aufhören, den Weltraum zu erforschen.

Allerdings werden die USA jetzt ein paar Jahre lang keine Möglichkeit haben, selbst Menschen ins All zu bringen, denn es gibt noch kein Nachfolgemodell für die Spaceshuttles. Amerikanische Astronauten müssen deshalb erst einmal mit russischen Sojus-Kapseln zur Internationalen Raumstation fliegen. Eine neue US-Raumkapsel, an der die NASA zurzeit mit einer privaten Firma arbeitet, wird erst 2015 einsatzbereit sein.

Endstation Kennedy Space Center

Die Besatzung des Spaceshuttle Atlantis winkt zum Abschied.
Ein letzter Gruß aus dem All: Die Besatzung um Kommandant Ferguson kurz vor dem Landeandflug.

Die Atlantis wird, wie die anderen ausgemusterten Shuttles auch, jetzt fürs Museum fertig gemacht. Sie hat den kürzesten Weg, sie bleibt nämlich am Kennedy Space Center und wird dort bald im Besucherzentrum zu sehen sein. „Wir übergeben ein Shuttle in einem super Zustand“, sagte Kommandant Ferguson, als er anderthalb Stunden nach der Landung mit seinen drei Astronautenkollegen vor die Kameras trat, flankiert von Dutzenden NASA-Mitarbeitern, die mit wehmütigen Gesichtern zur Atlantis hochschauten: „Sie ist so makellos wie an dem Tag, an dem wir sie uns ausgeliehen haben“, sagte Ferguson. „Mal abgesehen von der Tür zum Klo, die hat sich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre etwas verzogen.“

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Die Astronauten gaben Atlantis und den anderen Shuttles einen Wunsch mit auf den Weg in den Ruhestand: Sie sollten die Menschen auch weiter inspirieren. „Ich möchte, dass ein sechsjähriger Junge im Museum zu einem Spaceshuttle aufschaut und sagt: Daddy, sowas will ich auch machen, wenn ich groß bin, oder sagt: Amerika soll weiter so fantastische Dinge tun“, meint Chris Ferguson. „Wenn wir es hinbekommen, eine neue Generation von Weltraumforschern großzuziehen, dann ist unser Job hier getan.“

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