Krawalle um die Lizenz zum Gelddrucken

Die goldenen Zeiten der griechischen Taxifahrer sind bald vorbei. Auch das ist eine Folge der Auflagen, unter denen das Land die Kredithilfen der EU und des IWF erhält. Mit einem Streik und Krawallen laufen die Taxifahrer auch auf Ferieninseln wie Kreta dagegen Sturm. Das bringt auch Sorgen um den Tourismus mit sich.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Krawall im Hafen von Iraklion. Fäuste fliegen, Knüppel kreisen, Blut fließt. Die Taxifahrer der kretischen Hafenstadt sind außer Rand und Band. Seit Tagen blockieren sie den Hafen, seit Tagen befinden sie sich im Streik. Krawall gibt es auch vor dem Verkehrsministerium in Athen. Wütende Taxifahrer gehen mit Latten, Eisenstangen und Pflastersteinen auf die Polizei los. „Das wird eine harte Schlacht wegen der Arroganz des Ministers. Wir fordern seinen Rücktritt“, sagt Thimios Liberopoulos, Chef des griechischen Taxiverbandes.

Brennendes Taxi auf Kreta
Bei den Krawallen in Iraklion gingen auch Taxen in Flammen auf.

Zusammenstöße zwischen Taxifahrern und Polizisten in Athen
Vor dem Verkehrsministerium in Athen gingen Taxifahrer auf Polizisten los.

30.000 Taxifahrer streiken

Etwa 30.000 Taxifahrer befinden sich seit Tagen in einem landesweiten Ausstand. Es geht um die Liberalisierung des griechischen Arbeitsmarktes. Dieser Liberalisierung musste die Regierung in Athen im Zuge der Hilfsprogramme von EU und Internationalem Währungsfonds zustimmen. Die Taxifahrer werden als erste mit den Folgen dieser Liberalisierung konfrontiert. Zahl und Erwerb der Taxilizenzen sind bislang begrenzt. Das wird sich ändern.

Protestierender Taxifahrer in Griechenland
Mit dem Streik wehren sich Griechenlands Taxifahrer gegen die Liberalisierung der Branche.

Offiziell wäre eine Taxilizenz für weniger als 2000 Euro zu haben. Offiziell sind die Lizenzen aber schon lange vergeben. Inoffiziell wird seit vielen Jahren auf dem grauen Markt mit den Lizenzen gehandelt. Horrende Summen wechseln dabei den Besitzer. „Ich selbst habe fast 200.000 Euro für diese Lizenz bezahlt“, sagt Markos Xanthodakis. „Und dieser Herr Ragoussis will jetzt daher kommen und das einkassieren? Was glaubt der, wer er ist?“

Herr Ragoussis ist der griechische Verkehrsminister, der umsetzen muss, was EU und IWF den Griechen vorschreiben. Die goldenen Jahrzehnte der griechischen Taxifahrer sind vorbei. Lange Zeit waren sie gerade in Athen wegen des unzureichenden öffentlichen Nahverkehrs unersetzlich. Deshalb durften sie auch mehrere Fahrgäste gleichzeitig transportieren und mehrfach kassieren. Eine Taxifahrerlizenz galt wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

Regierung hat wenig Handlungsspielraum

„Wir haben Vorschläge gemacht. Der Minister hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die zu lesen“, klagt Taxifahrer-Präsident Liberopoulos. Der Minister hat aufgrund der strengen Auflagen von EU und IWF kaum Spielraum. Griechenland geht pleite, wenn es diese Auflagen nicht erfüllt.

Der Taxifahrerstreik trifft vor allem einen empfindlichen Nerv: den Tourismus, von dem in Griechenland viele Arbeitsplätze abhängen. „Was ist, wenn wir den Tourismus auch noch verlieren?“, fragt Spyros Ginis, Chef des griechischen Reiseverbandes. 15 Millionen Touristen – das ist fast eineinhalb Mal so viel wie die Einwohnerzahl Griechenlands. „Von wessen Geld wollen denn die Taxifahrer leben? Ich bin auch empört und habe Verluste. Soll ich denn auch alles kurz und klein schlagen?“, fragt Ginis.

Die Taxifahrer wollen weiter streiken, aber von der Blockade von Flugplätzen und Häfen weitgehend absehen.

Original, Google Cache, archive.org

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