Ein Tabubruch, aber kein Paukenschlag

Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel

Nun sitzen sie also mit im Boot: Banken und Versicherungen haben zugesagt, freiwillig auch einen Teil der Last zu tragen, Griechenland zu retten. Was noch vor wenigen Tagen zumindest nach außen hin als Tabu galt, was von der Europäischen Zentralbank sogar strikt abgelehnt wurde, soll jetzt passieren: Sanfte Umschuldung, auch die privaten Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen an Griechenland.

Zahlungsunfähigkeit das geringere Übel

Dass dann die mächtigen Ratingagenturen dem Land das schlimme Etikett Zahlungsunfähigkeit aufkleben, ist wohl doch das geringere Übel. Zu groß war die Angst, dass das taumelnde Land Euro-Schwergewichte wie Italien oder Spanien mit hinabreißt und dann der Euro implodiert.

Ein Paukenschlag ist das vielleicht nicht, aber doch mehr als das kleinteilige Hin- und Herjustieren der vergangenen Monate. Eurozonen-Chef Jean-Claude Juncker sagte in der Nacht: Die Zeit, alle Naselang kleine Hilfspäckchen zu schnüren, sei vorbei. Das sei jetzt das letzte Paket. Wollen wir es hoffen.

Griechenland-Rettung kann gelingen

Allerdings kann es nur gelingen, wenn Griechenland wie ein Weltmeister spart, sich reformiert und wettbewerbsfähig wird. Wenn die Märkte sagen: Wir glauben an die Solidarität in der Eurozone – die ersten Reaktionen an den Börsen lassen da hoffen. Und wenn die Euroländer endlich die eine entscheidende Lehre ziehen: Wer eine gemeinsame Währung hat, muss sich auch bei der Wirtschafts- und Finanzpolitik abstimmen. Das sind viele Wenns. Das wird nicht einfach. Aber es kann gelingen.

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