Tote bei Anschlagsserie in Norwegen

Norwegen ist von einer Anschlagsserie erschüttert worden. Im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo gab es bei einer schweren Bombenexplosion laut Polizei mindestens sieben Tote und 15 Verletzte. Wenig später tötete ein Mann zehn Teilnehmer eines Jugendtreffens nahe Oslo. Die Polizei sprach von einer unklaren Situation und rief dazu auf, große Menschenansammlungen zu meiden und das Stadtzentrum zu verlassen. Ein Motiv für die Anschläge sei noch nicht bekannt.

Einige Augenzeugen sprachen von einer Autobombe in Oslo, andere von mehreren Explosionen. Die Ermittler bestätigten jedoch lediglich, dass es sich um einen Sprengsatz gehandelt habe, berichtete die Nachrichtenagentur NTB.

Mehrere Gebäude waren in Olso bei dem Anschlag schwer beschädigt worden – auch das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Der Regierungschef war aber nicht anwesend. „Das ist sehr ernst“, beschrieb Stoltenberg in einem Telefonat von einem geheimen Ort mit dem Fernsehsender TV2 die Lage. Es sei zu früh, um zu sagen, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe. Alle Minister seien unversehrt. Stoltenberg kündigte eine entschlossene Reaktion der Behörden an: „Wir werden alle verfügbaren Kräfte einsetzen, um uns zu schützen.“

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  • Bombenexplosion im Regierungsviertel und mehrere Tote bei Schießerei in Jugendcamp
  • Länge: 0:01:49
  • Datum: 2011-07-22T21:58:00.000+02:00

Viertel abgesperrt, Hauptbahnhof evakuiert

Weitere Büros mussten evakuiert werden, darunter das der Boulevardzeitung „VG“. Im Ölministerium brach ein Feuer aus. In den Straßen sind Rauchwolken zu sehen. Eine Journalistin des öffentlich-rechtlichen Senders NRK sagte, sie habe Menschen gesehen, die im Blut auf der Straße lägen. Die Wucht der Detonation habe Fenster des Verlagsgebäudes der „VG“ und des nahe gelegenen Regierungssitzes zerstört. Überall lägen Glasscherben.

Die Polizei sperrte das Viertel weiträumig ab. Auch unter anderem der Hauptbahnhof wurde evakuiert, nach Angaben der Zeitung „Aftenposten“ kontrollieren Polizisten am Flughafen zurzeit zudem alle ankommenden und abfahrenden Autos. Die Armee wurde inzwischen in der Innenstadt postiert. Die Bevölkerung wurde gebeten ihre Mobiltelefone nicht zu benutzen, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden.

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  • Daniel Asche (ARD) mit Einzelheiten zum Bombenanschlag in Oslo
  • Länge: 0:01:53
  • Datum: 2011-07-22T20:11:00.000+02:00

Angriff auf Treffen von Jungsozialisten

Wenig später gab es einen Anschlag auf ein Jugendlager der norwegischen Jungsozialisten nahe Oslo. Laut Polizei erschoss ein als Polizist verkleideter Täter auf der Ferieninsel zehn Teilnehmer.

Der Angreifer wurde festgenommen. Er habe auch mit der Explosion in der Hauptstadt zu tun, erklärte die Polizei. Die Lage auf der Insel sei unter Kontrolle. Ministerpräsident Stoltenberg sollte seinem Büro zufolge an dem Treffen teilnehmen.

Polizei geht offenbar nicht von internationalem Terrorismus aus

Die Osloer Polizei gehe im Zusammenhang mit den beiden Anschlägen nicht von einer Verbindung zum internationalen Terrorismus aus, meldete die norwegische Nachrichtenagentur NTB. Als wahrscheinlicher gelte eine lokale Variante, die sich gegen das politische System wende. Die Polizei kenne das Milieu, in dem sich der auf der Ferieninsel festgenommene Mann aufhalte. Der festgenommene Verdächtige kommt aus Norwegen.

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