Mindestens 17 Tote bei Anschlägen in Norwegen

Blutige Terroranschläge mit mindestens 17 Toten in Norwegen: Bei einer Bombenexplosion im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo kamen am Freitag mindestens sieben Menschen ums Leben. Wenige Stunden später erschoss ein als Polizist verkleideter Mann in einem sozialdemokratischen Jugend-Ferienlager nahe Oslo zehn Menschen. Bei den Anschlägen wurden viele weitere Menschen verletzt.

Die Polizei nahm inzwischen einen Verdächtigen fest. Es handele sich um einen Norweger, teilte Justizminister Knut Storberget mit. Der Mann wurde verhört, verweigert aber laut Polizei die Aussage. Er sei 32 Jahre alt und soll vor den Schüssen auf der Insel in Oslo gesehen worden sein.

Die Polizei vermutet die Drahtzieher der Anschläge im Inland und hatte zunächst keine Hinweise auf Verbindungen zum internationalen Terrorismus. Wahrscheinlicher sei eine lokale Variante, die sich gegen das politische System wende, meldete die Nachrichtenagentur NTB. Die Polizei kenne das Milieu, in dem sich der auf der Ferieninsel festgenommene Mann aufhalte.

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  • Anschlag in Oslo
  • Länge: 0:02:06
  • Datum: 2011-07-22T23:26:00.000+02:00

Nach Angaben der Polizei hingen beide Attacken miteinander zusammen. Die Wucht der Detonation im Zentrum Oslos verwüstete mehrere Gebäude, darunter den Sitz von Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Der Regierungschef wurde jedoch nicht verletzt. Aus Sicherheitsgründen wurde sein Aufenthaltsort zunächst geheim gehalten. Stoltenberg hatte ursprünglich geplant, das Jugendlager auf der Insel Utoya, das Stunden später ebenfalls Schauplatz eines Blutbads wurde, zu besuchen. Die Polizei stellte auf der Insel Sprengstoff sicher.

Am späten Abend trat Stoltenberg vor die Presse und beschwor den Zusammenhalt im Land. Die Bevölkerung solle auf die Polizei hören, das Zentrum von Oslo meiden. Er habe eine Botschaft an die Täter: „Ihr werdet unsere Demokratie und unser Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören.“ Niemand könne Norwegen „zum Schweigen schießen“, das Land werde nicht aufhören, zu seinen Werten zu stehen.

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  • Christian Blenker (ARD) mit Einschätzungen zu den Anschlägen in Norwegen
  • Länge: 0:02:56
  • Datum: 2011-07-23T01:26:00.000+02:00

Die Lage in dem von 560 Mitgliedern der sozialdemokratischen Jugendorganisation besuchten Camp soll chaotisch sein. Laut Medienberichten brach unter den Jugendlichen in dem Lager Panik aus. Mehrere Mädchen und Jungen seien von der Insel aus ins Wasser gesprungen und an Land geschwommen. Die Insel ist rund eine Autostunde von Oslo entfernt. Die Polizei fürchtet, dass die Zahl der bei der Schießerei getöteten Menschen noch steigen wird. Bislang ist offiziell von zehn Toten die Rede.

„Es war eine Bombe“

Bevor es zu der Schießerei in dem Ferienlager kam, hatte eine schwere Explosion die Osloer Innenstadt erschüttert. Vor dem 17-stöckigen Hauptgebäude der Regierung, in dem auch Stoltenberg sein Büro hat, detonierte der wahrscheinlich in einem Auto versteckte Sprengkörper. Sieben Menschen starben, viele weitere wurden verletzt. „Es war eine Bombe“, sagte der amtierende Osloer Polizeichef Sveinung Sponheim zur Ursache. Der Regierungschef war zum Zeitpunkt des Anschlags nicht im Büro. Auch alle Mitglieder seines Kabinetts sind unversehrt.

Nach der Explosion lagen Metall und Trümmerteile über Hunderte Meter verstreut. Auch mehrere benachbarte Ministerien wurden beschädigt. Das Ölministerium geriet in Brand.

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  • Daniel Asche (ARD) mit Einzelheiten zum Bombenanschlag in Oslo
  • Länge: 0:02:19
  • Datum: 2011-07-22T23:28:00.000+02:00

Viertel abgesperrt, Hauptbahnhof evakuiert

Weitere Büros mussten evakuiert werden, darunter das der Boulevardzeitung „VG“. In den Straßen sind Rauchwolken zu sehen. Eine Journalistin des öffentlich-rechtlichen Senders NRK sagte, sie habe Menschen gesehen, die im Blut auf der Straße lägen. Die Wucht der Detonation habe Fenster des Verlagsgebäudes der „VG“ und des nahe gelegenen Regierungssitzes zerstört. Überall lägen Glasscherben.

Die Polizei sperrte das Viertel weiträumig ab. Auch unter anderem der Hauptbahnhof wurde evakuiert, nach Angaben der Zeitung „Aftenposten“ kontrollieren Polizisten am Flughafen zurzeit zudem alle ankommenden und abfahrenden Autos. Die Armee wurde inzwischen in der Innenstadt postiert. Die Bevölkerung wurde gebeten ihre Mobiltelefone nicht zu benutzen, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden.

Original, Google Cache, archive.org

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