Westerwelle verspricht Kooperation auch nach Abzug

Außenminister Guido Westerwelle strebt nach eigenen Worten eine langfristige strategische Partnerschaft mit Afghanistan für die Zeit nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen 2014 an. „Wir werden Afghanistan nicht vergessen“, sagte er in Masar-i-Scharif.

Die nordafghanische Stadt wird morgen als erstes Gebiet im deutschen Verantwortungsbereich an afghanische Sicherheitskräfte übergeben. Damit werden die Weichen für die Reduzierung der mehr als 5000 Bundeswehrsoldaten gestellt.

Guido Westerwelle in Masar-i-Scharif
Guido Westerwelle (links) traf sich in Masar-i-Scharif auch mit Gouverneur Atta (Mitte).

Westerwelle versicherte, dass Deutschland sich auch in Zukunft besonders um den Norden des Landes kümmern werde – auch wenn mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung eine neue Arbeitsteilung beginne. Masar-i-Scharif solle nun zum Vorbild für viele andere Städte und Regionen am Hindukusch werden.

Westerwelle traf sich in Masar-i-Scharif unter anderem mit Provinzgouverneur Mohammed Atta. Dieser kritisierte, die Übergabe der Sicherheitsverantwortung komme sehr spät. Hätte es mehr Unterstützung gegeben, wäre dieser Schritt schon vor fünf Jahren möglich gewesen. Er drang auf einen weiteren Ausbau von Polizei und Armee, um die Sicherheit langfristig garantieren zu können.

Focus auf wirtschaftliche Entwicklung

Jetzt müsse es auch verstärkt um die Wirtschaftsförderung gehen, sagte Westerwelle weiter: „Es gibt keine Sicherheit ohne gute wirtschaftliche Entwicklung, und ohne gute wirtschaftliche Entwicklung gibt es keine Sicherheit.“ Wer Arbeit finde und eine gute Zukunft für die Familie habe, der sei weniger verführbar für Extremisten und Terroristen.

Die Wirtschaftsförderung wird ein Hauptthema der nächsten Afghanistan-Konferenz in Bonn am 5. Dezember sein. Dabei dürfte auch die Nutzung der immensen afghanischen Rohstoffvorkommen eine Rolle spielen, deren Wert auf drei bis acht Billionen US-Dollar geschätzt wird.

Regionalkommandos der ISAF-Einheiten
Bis 2014 sollen die internationalen Kampftruppen das Land verlassen.

Masar-i-Scharif gilt als einer der sichersten Orte

Masar-i-Scharif ist eins von sieben Gebieten, das in einem ersten Schritt an die Afghanen übergeben wird. Die Provinzhauptstadt mit rund 180.000 Einwohnern gilt als einer der sichersten und wohlhabendsten Orte in Afghanistan. Allerdings gab es auch hier erst am Mittwoch wieder einen Selbstmordanschlag, bei dem drei afghanische Zivilisten getötet wurden. Im Frühjahr wurde das UN-Gelände gestürmt. Zahlreiche Menschen wurden getötet, darunter mehrere Ausländer.

Westerwelle hatte seine vierte Afghanistan-Reise innerhalb von zwei Jahren am Donnerstag in Kabul begonnen. Dort traf der FDP-Politiker den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai,  Außenminister Salmai Rassul und den neuen Kommandeur der internationalen Schutztruppe Isaf, US-General John Allen.

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