„Norwegen wird seine Werte niemals aufgeben“

Norwegen trauert um die fast hundert Toten der beiden Anschläge vom Freitag. Bei einem Gottesdienst im Osloer Dom sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg: „Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie.“ An der „Messe der Trauer und Hoffnung“ nahmen auch König Harald und die norwegische Regierung teil.

Mit den Tränen kämpfend nannte der Regierungschef ihm persönlich bekannte Opfer des Massakers auf der Insel Utøya. Ein Opfer hatte in den vergangenen 20 Jahren lang jeden Sommer an dem Ferienlager mitgewirkt. Ein anderer galt als hoffnungsvoller sozialdemokratischer Nachwuchspolitiker. Stoltenberg sagte: „Getötet, fort, für immer. Es ist nicht zu begreifen.“ Norwegen werde aber „seine Werte niemals aufgeben“. Auch in vielen anderen Kirchen der Hauptstadt und im ganzen Land gab es Trauergottesdienste. Am Montag soll in ganz Norwegen der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht werden. Das kündigte Stoltenberg nach einem Gespräch mit König Harald V. an.

Trauer in Norwegen
Das Entsetzen in Norwegen ist groß – Menschen trauerten auch vor der Osloer Kathedrale, wo ein Gedenkgottesdienst stattfand.

Polizei sucht weiter nach Vermissten

Zwei Tage nach dem Massenmord auf der norwegischen Insel Utøya werden noch immer vier bis fünf Teilnehmer des Sommercamps der sozialdemokratischen Jugendorganisation vermisst. Taucher suchten in dem See rund um die Insel, wo der Schütze mindestens 86 Menschen erschossen hatte, weiter nach Opfern. Die Menschen waren vor dem mit einem automatischen Gewehr und einer Pistole bewaffneten Attentäter geflüchtet und sind wahrscheinlich ertrunken. Laut Polizeiangaben hatte der Mann bei seiner Festnahme noch große Mengen Munition bei sich. Kurz vor dem Anschlag auf der Insel waren bei einem Bombenattentat auf das Osloer Regierungsviertel am Freitag mindestens sieben Menschen getötet worden.

Heute nahm die Polizei bei einem Einsatz im Zusammenhang mit den Anschlägen vorübergehend mehrere Menschen fest. Es sei aber kein Sprengstoff gefunden und die Festgenommenen wieder freigelassen worden, erklärte die Polizei. Sie hatte am Vormittag ein Grundstück im Osten Oslos durchsucht.

Sendungsbild
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  • Norwegen trauert: Gedenkgottesdienst für die 93 Opfer der Anschläge
  • Länge: 0:01:40
  • Datum: 2011-07-24T20:08:00.000+02:00

Verdächtiger gesteht Tat

Der mutmaßliche Täter legte ein Geständnis ab. Demnach hatte der 32-Jährige etwa zwei Stunden vor dem Massenmord auf der Insel im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet. Die mehrere hundert Kilogramm schwere Bombe hatte er offenbar aus Kunstdünger und Diesel hergestellt. Die notwendigen großen Mengen Dünger konnte er ohne verdächtigt zu werden kaufen, weil er einen Bauernhof gepachtet hatte. Der mutmaßliche Täter habe ausgesagt, die Anschläge alleine verübt zu haben, erklärte Polizeichef Sveinung Sponheim. „Wir müssen aber alles überprüfen, was er gesagt hat“, sagte er. Weitere Tatverdächtige gebe es aber nicht. Laut Polizei bekannte sich der Mann aber nicht eines Verbrechens für schuldig. Sein Anwalt sagte dem norwegischen Fernsehsender NRK, sein Mandant habe sein Handeln als „grausam“, aber „notwendig“ beschrieben.

1500 Seiten als Teil einer gezielten Selbstdarstellung

Mutmaßlicher Täter des Doppelanschlags in Norwegen
Der mutmaßliche Täter stellte wenige Tage vor den Anschlägen eigene Fotos ins Internet.

Der 32-Jährige hatte die Anschläge offenbar seit mehreren Jahren geplant. Das geht aus einem mehr als 1500 Seiten langen Pamphlet hervor, das dem bekennenden Fundamentalchristen und Islamhasser zugeschrieben wird und im Internet kursiert. Das Dokument wurde teilweise als Tagebuch geführt, beansprucht wissenschaftlichen Charakter und offenbart die Fremdenfeindlichkeit und die bedingungslose „Multikulti“-Ablehnung des Autors.

Der englischsprachige Text ist unter einem Pseudonym verfasst. Es gibt mindestens zwei Versionen des Pamphlets, die sich in Seitenzahl, Speicherumfang und Speicherzeitpunkt unterscheiden. Beide tagesschau.de vorliegenden Versionen wurden den Metadaten zufolge einen Tag nach den Anschlägen zu unterschiedlichen Uhrzeiten und mit unterschiedlichen Programmen abgespeichert. Laut Medienberichten soll das Dokument aber vor den Anschlägen per E-Mail verschickt worden sein.

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Das Papier ist offenbar Teil einer gezielten Selbstdarstellung. So wird auch beschrieben, wie man auf Fotos positiv wirkt. Nur eine Woche vor den Taten hatte der mutmaßliche Täter im sozialen Netzwerk „Facebook“ eine Seite eingerichtet, die mittlerweile abgeschaltet wurde. Er lud auch einige Fotos ins Internet, die nun weltweit in den Medien verwendet werden.

Original, Google Cache, archive.org

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