Dink-Mörder muss für fast 23 Jahre in Haft

Mehr als vier Jahre nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink hat ein Gericht in Istanbul den Mörder zu fast 23 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter befanden Ogun Samast für schuldig, Dink am 19. Januar 2007 vor dem Gebäude der zweisprachigen türkisch-armenischen Wochenzeitung „Agos“ erschossen zu haben. Der damals minderjährige Täter, der der rechtsradikalen Szene zugerechnet wird, bekam für die eigentliche Tat 21 Jahre und sechs Monate. Hinzu kamen weitere 16 Monate wegen unerlaubten Waffenbesitzes.

Gedenken an den ermordeten türkischen Schriftstellers Hrant Dink.
Am 4. Jahrestag seiner Ermordung gedachten in Istanbul Tausende Menschen des ermordeten türkischen Schriftstellers Hrant Dink.

Der Anschlag hatte in der Türkei und international Bestürzung ausgelöst. Dink, Herausgeber der türkisch-armenischen Wochenzeitung „Agos“, war ins Visier türkischer Ultranationalisten geraten, weil er die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als „Völkermord“ bezeichnet hatte. Vor seiner Ermordung hatte Dink wiederholt Drohungen erhalten.

Menschenrechtsgericht verurteilt Türkei

Dinks Familie wirft den türkischen Behörden bis heute vor, Hinweisen auf eine Verwicklung der Sicherheitskräfte in den Mord nicht nachzugehen. Der Europäische Menschenrechtsgericht in Straßburg kritisierte die Türkei, weil die Behörden trotz vorliegender Hinweise auf Mordpläne aus der rechtsextremen Szene Dink nicht geschützt hätten. Die Regierung in Ankara habe das Leben Dinks nicht geschützt, obwohl die Behörden über die Mordpläne türkischer Nationalisten informiert gewesen seien, urteilte das Gericht in Straßburg vor einem Jahr. Der Familie des Journalisten sprachen die Richter Schmerzensgeld in Höhe von mehr als 100.000 Euro zu.

Anfang Juni hatte ein Gericht in Istanbul sechs Gendarme wegen Vernachlässigung der Amtspflichten zu Haftstrafen verurteilt. Darunter sei auch der frühere Gendarmerie-Chef in der Schwarzmeerstadt Trabzon. Aus dieser Stadt stammt auch der nun verurteilte Attentäter Dinks.

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