„Sie mochte das Leben am Abgrund“

Noch vor der Obduktion von Amy Winehouse wird in den Medien spekuliert, woran sie gestorben ist. Die Sängerin war seit Jahren alkohol- und drogensüchtig. Dass starker Druck der Plattenindustrie mit Schuld an ihrer Sucht sei, wiesen zwei ehemalige Manager der Sängerin zurück.

Von Torsten Huhn, NDR-Hörfunkstudio London

Die Polizei will heute einen Termin für die Obduktion von Amy Winehouse festlegen. Die Ursache des Todes der 27-jährigen Sängerin ist immer noch unbekannt.

In der britischen Boulevardpresse wird munter über ihre Todesursache spekuliert. Der „Mirror“ meint zu wissen, dass Amy Winehouse nach einem Streit mit ihrem Freund aus Verzweiflung über 36 Stunden hinweg Drogen – Kokain und Heroin – genommen und Alkohol getrunken hat.

Blumen und ein Glas Wein vor dem Haus von Amy Winehouse
Fans haben Blumen und auch Getränke vor dem Haus des Ausnahmetalents Amy Winehouse niedergelegt. Die Sängerin starb in ihrem Haus.

Wilde Spekulationen in den britischen Medien

Dem widerspricht wiederum der Bericht der „Sun“, die behauptet, aus Polizeikreisen erfahren zu haben, dass in ihrem Zimmer weder Drogen und noch Alkohol gefunden wurden. Die „Sun“ schreibt weiter, noch am Freitag habe ein Arzt sie aufgesucht und an ihrem Zustand sei nichts besorgniserregend gewesen. Ihren letzten Abend soll sie mit ihrem Leibwächter verbracht haben, der sie dann am Samstagnachmittag leblos in ihrem Bett vorfand. Aber das sind Medienberichte, die von der Polizei nicht bestätigt wurden. Erst nach der Obduktion wird man wissen, woran die Sängerin tatsächlich gestorben ist.

Während die Fans weiter trauern und vor Amys Haus im Londoner Norden Blumen niederlegen und Kerzen aufstellen, hat sich ihr früherer Manager Nick Godwin geäußert, der Amy in ihrer Anfangszeit betreute. „Sie war schon in jenen Tagen eine Künstlerin, die eine  Menge Aufmerksamkeit brauchte. Das meine ich jetzt nicht in medizinischer Hinsicht. Sie verlangte eine Menge von den Menschen um sie herum“, erinnert sich Godwin.

„Sie wollte keine Hilfe“

Er erlebte auch den Beginn ihrer Suchtkarriere. „Das ging sehr schnell in jenen Tagen, als ich noch ihr Manager war. Das passierte innerhalb von Wochen. Sie hat stark abgebaut, ihr Charakter änderte sich. Das war der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe, komm, wir müssen Hilfe suchen, was sie definitiv nicht wollte. Aber wir taten das dann, aber sie blieb dort nur 15 Minuten.“

Inzwischen gibt es Diskussionen, ob Amys Tod auch damit zusammenhängt, dass die Plattenindustrie die Künstler zu sehr unter Druck setzt. Diesem Vorwurf widersprach der frühere Chef von Island Records, Marc Marot. „Als ich Island Records geleitet habe, hatten wir sogar einen Beratungsservice. Wir hatten zum Beispiel mit Künstlern mit Essproblemen zu tun – und vielem anderen. Wir haben umfangreiche Hilfe angeboten. Aber man kann nichts zu tun, wenn ein Künstler nicht selbst damit aufhört, sich zu zerstören“, so Marot.

Britische Sängerin Amy Winehouse tot aufgefunden.
Amy Winehouse mit ihrer unverkennbaren Beehive-Frisur.

Und das hat sich bei Amy Winehouse sehr deutlich gezeigt. Sie war mehrfach in Entzugskliniken, sie hatte die Unterstützung ihrer Familie  und von Freunden, trotzdem wurde sie immer wieder rückfällig. Sie ließ sich nicht  wirklich helfen. Und Entzugskliniken mochte sie auch  nicht, wie sie in ihrem Lied „Rehab“ beschrieben hat: „They tried to make me go to rehab but I said ’no, no, no'“, heißt es in der ersten Zeile des Songs.

Und so meint denn auch ihr früherer Manager Godwin: „Sie mochte das Leben am Abgrund. Sie wurde von dieser Art Leben angezogen“.

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