Schlechtes Wetter, schlechteres Klima

Das Jahr 2010 war in Deutschland kälter als üblich, das erste Halbjahr 2011 hingegen zu warm. Zu diesem eher überraschenden Ergebnis ist der Deutsche Wetterdienst gekommen. Der Klimawandel werde weltweit noch massive Veränderungen bringen, befürchtet DWD-Präsident Adrian.

Von Robert Kiendl, RB, ARD-Hauptstadtstudio

Dunkle Wolken über Bayern
Extrem wechselhaft mit örtlichem Starkregen, Gewittern und kräftigem Wind zeigte sich das Wetter in Bayern.

Hochsommer 2011 in Deutschland: Viele Eisverkäufer klagen über zu wenig Kundschaft, die Freibäder sind mitunter menschenleer. Bisher war der Juli eher ein November. Mit dem Klimawandel allerdings hat das nichts zu tun, sagt der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Gerhard Adrian: „Das Wetter oder unser Klima ist variabel, das heißt wir haben viele verschiedene Wetterereignisse in Folge – und zur Zeit haben wir eben das kalte nasse Wetter.“

Außerdem sah es in diesem Jahr auch schon ganz anders aus: Die ersten sechs Monate 2011 waren hierzulande unterm Strich das zweitsonnigste und das neunttrockenste Halbjahr seit Beginn der Messungen 1881. Und auch wenn vielen der Juli zu kalt erscheint – bisher war 2011 eindeutig zu warm – im Schnitt standen anderthalb Grad mehr auf dem Thermometer als sonst üblich.

2010 neuer CO2-Rekord

Überhaupt sind die Aussichten nicht gerade rosig. Schon 2010 war „kein gutes Jahr“ für den Klimaschutz, meint der Wetterdienst. Weltweit habe die Menschheit fast 31 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen – ein trauriger Rekord, so DWD-Chef Gerhard Adrian. Und eine Kehrtwende sei nicht in Sicht: „Die Entwicklung geht weiter. Der Klimawandel findet statt und wir haben keinerlei Hinweise, dass das in den nächsten Jahren weniger wird. Auch die CO2-Emissionen nehmen in der Atmosphäre zu.“

Es wird immer wärmer auf der Erde, zudem gibt es in Deutschland immer trockenere Sommer und feuchtere Winter. Schlecht ist das zum Beispiel für die Ernten. Und die Politiker? Die täte bei Weitem nicht genug und treten auf der Stelle, kritisiert der Wetterdienst-Präsident: „Die internationale Politik hat es nicht geschafft, entsprechend weitere Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen. Man konnte sich nicht einigen, zum Beispiel bei der Vermeidung von CO2 weitere Maßnahmen zu treffen. Die Wissenschaft ist sich einig: Es muss etwas passieren.“ Wenn man das Ziel, die zwei Grad Erwärmung als obere Grenze zu definieren, erreichen wolle, müsse mehr getan werden.

Deutschland wohl weniger vom Klimawandel betroffen

Vergessen sollte man dabei nicht, sagt Adrian, dass Deutschland noch relativ gut dasteht: Andere Weltregionen hätten viel, viel stärker unter dem Klimawandel zu leiden. Deutschland hingegen werde wohl damit zurechtkommen: „Wir haben die Ressourcen, wir haben die Technologien uns an den Klimawandel anzupassen. Deswegen gehe ich davon aus, dass wir in Deutschland nicht so stark davon betroffen werden. Das ist eher vielleicht eine Chance, dass wir die Technologien haben, um die zu exportieren.“

Kein Grund zur Panik also, was das Klima bei uns angeht. Und dennoch erneut der Appell, auch vom Wetterdienst, an jeden einzelnen, sparsam mit Strom und Heizung umzugehen und das Auto öfter mal stehen zu lassen.

Hoffnung auf einen späten Sommer

Übrigens: Grund zur Panik was den diesjährigen Sommer betrifft, gibt es in Deutschland auch nicht, sagt DWD-Klimafachmann Gerhard Müller-Westermeier: „Das wird sicher noch nicht der ganze Sommer gewesen sein:  Der ganze August gehört ja auch noch dazu.“ Der DWD könne zwar nur Wettervorhersagen für die nächsten zehn Tage machen, aber insgesamt sähe es so aus, als würde zumindest Anfang des Augusts erst einmal eine wärmere und schönere Lage kommen. „Solche Schwankungen von Monat zu Monat hatten wir auch vorheriges Jahr“, sagt Müller-Westermeier. „Da hatten wir einen ganz heißen Juli und dann kam auf einmal ein völlig verregneter August. Vielleicht dreht es sich diesmal um. Das wärmste Jahr, was wir bisher hatten, war das Jahr 2000. Da war der Juli der einzig zu kühle Monat.“

Original, Google Cache, archive.org

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