Trauer und Bestürzung auch im Internet

Die Trauer über die Opfer der Anschläge in Norwegen ist groß. Hunderttausende gedachten am Montag während einer Schweigeminute im ganzen Land den Toten. Doch nicht nur auf den Straßen wird getrauert – auch im Internet bekunden die Menschen ihre Bestürzung. tagesschau.de gibt einen Überblick.

Von Lucas Lamberty für tagesschau.de

Die größte norwegische Tageszeitung „Aftenposten“ hat ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet, das bereits mehr als 2500 Einträge zählt. Dort schreibt eine Nutzerin aus Oslo: „Liebe Angehörige und Freunde der Opfer in Oslo und Utoya. Mein weinendes Herz sendet seine Anteilnahme aus. Sie sind in meinen Gedanken. Keine Worte können die Trauer zum Ausdruck bringen, die ich mit euch fühle.“

Unter den Einträgen finden sich auch viele Trauerbekundungen aus dem Ausland. So schreibt eine Kenianerin aus Nairobi: „Liebe Norweger, ich teile eure Schmerzen. Meine Gedanken gehen an die Familien und Freunde der Opfer. Möget ihr das Gute in den Herzen der Menschen auch in dieser traurigen Zeit sehen.“

„In mir ist eine tiefe Leere und Trauer“

Menschen stehen um ein Blumenmeer herum
Nicht nur auf der Straße, sondern auch im Internet trauern die Menschen.

Ähnliche Einträge lassen sich auch auf den Internetseiten des norwegischen Fernsehsenders NRK finden. Dort schreibt ein deutscher User: „Ich habe Ihr Land kennen und lieben gelernt. Nie hätte ich eine so abscheuliche Tat für möglich gehalten. In mir ist eine tiefe Leere und Trauer. Mein tiefes Mitgefühl an alle, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Im Online-Kondolenzbuch der norwegischen Regierung haben sich mittlerweile fast 8000 Menschen eingetragen. „Norweger und Finnen sind wie Brüder und Schwestern: Jetzt weinen und leiden wir zusammen, aber wir werden auch zusammen überleben. Wir werden den Krieg gegen Angst und Gewalt gewinnen und wir werden immer den unschuldigen Menschen gedenken, die ihr Leben als Opfer von Hass und Angst verloren haben. Möge Gott euch Stärke geben, ohne eure Geliebten zu leben“, fasst eine Nutzerin aus Finnland ihre Anteilnahme in Worte.

Auf der Webseite der norwegischen Tageszeitung „Dagblat“ findet sich eine Auflistung der Opfer – mit Namen und Bild. Trauernde können dort jedem Opfer einen letzten Gruß hinterlassen. Über Trond Berntsen, der sich auf der Insel Utoya schützend vor seinen Sohn gestellt hatte, schreibt ein Nutzer: „Sie sind nicht nur ein Held für Utöya, sondern für ganz Norwegen. Wir werden immer an Sie denken, sie waren eine wundervolle Person, die immer nur das Gute wollte. Ruhe in Frieden, Trond.“

Eine virtuelle Menschenkette

Auch in Deutschland wurden Kondolenzbücher ausgelegt. Während sich Bürger in der norwegische Botschaft in Berlin klassisch in ein Buch eintragen können, bietet die Deutsch-Norwegische-Freundschaftsgesellschaft eine solche Möglichkeit auch im Internet an. Neben Mitleidsbekundungen bewundern die Deutschen hier besonders den Umgang der Norweger mit den Attentaten. „So fürchterlich, grauenhaft und unfassbar diese Ereignisse waren, so bewundernswert ist der friedvolle, besonnene und solidarische Umgang der norwegischen Menschen, der gesamten norwegischen Politik und Gesellschaft mit dem Geschehenen. Mein Mitgefühl, mein Respekt!“, schreibt ein User.

Auch Social Media-Portale wie Facebook und Twitter bieten eine Plattform für die Trauer der Menschen in der ganzen Welt. Innerhalb von wenigen Stunden stieg die Teilnehmerzahl der Veranstaltung „Beteiligung an der virtuellen Menschenkette zum Gedenken der Opfer in Oslo“ von 50.000 auf mehr als 70.000 User an.

Aufgerufen wird dort zu einer Beteiligung an einer Aktion der norwegischen Boulevardzeitung „Verdens Gang“ zur Bildung einer globalen Online-Menschenkette gegen Gewalt und zum Gedenken der Opfer. An dieser beteiligen sich bereits mehr als 850.000 Menschen aus 14 Nationen, darunter etwa 24.000 Internetnutzer aus Deutschland. Auch auf Facebook gibt es ein deutschsprachiges Kondolenzbuch und internationale Bekundungen der Anteilnahme. So zählt die Gemeinschaft „R.I.P to everyone who has died in the Norway attacks“ mittlerweile fast eine halbe Millionen Unterstützer.


Mehr als 850.000 Mitgleider: Die virtuelle Menschenkette der norwegischen Boulevardzeitung „Verdens Gang“.

„Rekord-Wahlbeteiligung ist meine Antwort“

Auch bei Twitter finden sich viele Tweets zu den Anschlägen in Norwegen. Besonders bewegend ist das Beispiel des norwegischen Profischwimmers Alexander Dale Oen, der am Montag die Goldmedaille bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Schanghai über 100 Meter Brust gewann. Dieser twitterte bereits am Samstag ein Zitat des bekannten norwegischen Schriftstellers Nordahl Grieg: „Wir sind in Norwegen so wenige, dass jeder Gefallene ein Bruder oder ein Freund ist.“

Am Montag hatte der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg angekündigt, die Antwort der Menschen auf die Anschläge müsse aus „mehr Offenheit, mehr Demokratie, mehr Bestimmtheit“ bestehen. Anklang findet das auch in der Facebook-Gemeinde: Denn dort zählt die Veranstaltung „Rekord-Wahlbeteiligung ist meine Antwort“ anlässlich der Kommunalwahl im September bereits mehr als 30.000 Zusagen.

Original, Google Cache, archive.org

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