Serben setzen Grenzposten im Kosovo in Brand

Aufgebrachte Serben haben Benzinbomben auf einen kosovarischen Grenzposten geschleudert und das Gebäude in Brand gesetzt. Sie schossen auch auf KFOR-Soldaten, wie die NATO-Friedenstruppe für das Kosovo mitteilte. Die Situation am Zollposten Jarinje im Norden des Kosovo habe sich verschlechtert. Im Norden wohnen überwiegend ethnische Serben, anders als im Rest des Kosovo, das überwiegend von Kosovo-Albanern bewohnt wird.

Serben setzen den Grenzposten Jarinje in Brand.
Die Beamten sollen zu einem KFOR-Posten geflohen sein.

Keine Angaben machte die KFOR darüber, ob Menschen verletzt wurden und ob die Friedenstruppen das Feuer erwiderten. Es hieß lediglich, es sei Verstärkung an die Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien geschickt worden. Ein Zeuge berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, er habe Dutzende maskierte und bewaffnete Männer beobachtet, wie sie den Grenzposten niedergebrannt hätten. Zollbeamte und Polizisten seien zum nahe gelegenen KFOR-Posten geflohen.

Der Nachrichtenagentur AP zufolge hatten sich zuvor kosovarische Spezialeinheiten von diesem und einem anderen Grenzposten zurückgezogen. Während der Besetzung der beiden Posten war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit protestierenden Serben gekommen. Ein kosovarischer Polizist wurde angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.

Die Europäische Union verurteilte die anhaltende Gewalt scharf. Die jüngsten Ereignisse seien „inakzeptabel“ und „untragbar“, erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

Thaci beschuldigt Serbien und verteidigt Einsatz

Kosovos Ministerpräsident Hashim Thaci
Hashim Thaci richtete schwere Vorwürfe an die Regierung in Berlgrad.

Der kosovarische Regierungschef Hashim Thaci beschuldigte unterdessen die Regierung Serbiens, hinter den gewaltsamen Ausschreitungen am Grenzübergang Jarinje zu stehen. „Die Gewalttaten sind bestellt, geplant und geleitet von den höchsten Ebenen der serbischen Regierung“, sagte er. Trotzdem werde es keine Kompromisse geben.

Zuvor hatte Thaci den Einsatz der Polizei gegen Kritik der EU verteidigt. Die Entsendung von Spezialeinheiten sei „die richtige Entscheidung“ gewesen und „ein konkreter Schritt“, um im Norden des Landes Rechtsstaatlichkeit durchzusetzen.

Die EU-Kommission hatte den Einsatz scharf kritisiert. Der Streit zwischen dem Kosovo und Serbien entzündete sich an gegenseitigen Handelsbeschränkungen, die die Regierung in Pristina mit Polizeikräften an der Grenze zu Serbien durchsetzen wollte.

Worum geht es bei dem Grenzstreit?

Hintergrund des aktuellen Konflikts ist der Streit um die Kosovo-Zollstempel, die Serbien nicht anerkennen will. Begründung: Kosovo sei kein selbstständiger Staat, sondern nach wie vor eine serbische Provinz. Folge: Waren aus dem Kosovo können nicht nach Serbien gelangen. Die Kosovo-Regierung hat deshalb ein Importverbot für serbische Waren verhängt. Während dieses Verbot an anderen Grenzübergängen durchgesetzt wurde, lief der Handel über die beiden jetzt eingenommenen Übergänge reibungslos. Wegen des Streits ruhen auch die von der EU vermittelten Verhandlungen zwischen beiden Seiten in Brüssel.

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