US-Schuldenstreit alarmiert die Weltwirtschaft

Der festgefahrene Streit um die Anhebung der Schuldengrenze in den USA entwickelt sich zur Belastung für die Weltwirtschaft. An vielen wichtigen Börsen fallen die Aktienkurse, weil die Anleger verunsichert sind. Dagegen stieg der Preis für einen Feinunze Gold auf ein Rekordhoch von 1625,24 Dollar.

IWF-Chefin Christine Lagarde
„Die Uhr tickt.“ – IWF-Chefin Lagarde

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte vor Schäden für die Weltwirtschaft, falls sich Republikaner und Demokraten im US-Haushaltsstreit nicht einigen sollten. „Die Uhr tickt“, sagte sie. „Dieses Problem muss umgehend gelöst werden.“ Die möglichen Konsequenzen des drohenden Zahlungsausfalls machten nicht an den Grenzen der USA halt. „Ein fiskalischer Schock in den Vereinigten Staaten könnte sich nachteilig auf den Rest der Welt auswirken“, warnte Lagarde.

Deutsche Exporteure fürchten Probleme

Auch die deutsche Exportwirtschaft schlägt angesichts des US-Schuldenstreits Alarm. „Das ist ein gefährliches Spiel für die Weltwirtschaft“, sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. „Bei einer Ankerwirtschaft wie den USA könnte das auch zu einem ernsten Problem für den deutschen Außenhandel werden“, warnte er in der Online-Ausgaben des „Handelsblatts“. Börner zeigte sich skeptisch, dass es bis zum 2. August zu einer Einigung kommen werde. Scheitern die Gespräche, wären die USA zahlungsunfähig. „Ab diesem Datum verlieren wir unsere Fähigkeit, uns Geld zu leihen“, sagte Jay Carney, der Sprecher von US-Präsident Barack Obama.

Analysten und andere Finanzexperten gehen allerdings inzwischen davon aus, dass die US-Regierung erst einige Tage später ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Das Bankhaus Barclays nannte als Termin den 10. August und verwies zur Begründung darauf, dass die Steuereinnahmen zuletzt „beträchtlich stärker“ ausgefallen seien als zuvor angenommen. Die US-Beratungsfirma Wrightson ICAP erklärte, dass der 15. August das „kritische Datum“ für eine mögliche Zahlungsunfähigkeit sei. An diesem Tag muss die Regierung 41 Milliarden Dollar aufbringen, darunter rund 30 Milliarden Zinsen für Staatsschulden. Seit Tagen argumentieren auch viele Republikaner, dass die Regierung selbst im Falle einer Nicht-Einigung bis zum 2. August nicht sofort zahlungsunfähig sei.

Ohne eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar können die USA ihre Rechnungen, die Gehälter der Staatsbediensteten und die Renten nicht mehr bezahlen. Zudem droht den USA der Verlust der Einstufung „AAA“ als bester Schuldner durch die Ratingagenturen.

Hintergrund

Die Schuldengrenze der USA
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Europäische Banken stark in den USA engagiert

Das trifft unter Umständen auch viele Banken weltweit, die US-Staatsanleihen halten. Sie müssen gegebenenfalls Abschreibungen vornehmen. Allein bei europäischen Banken hatten die USA im ersten Quartal 2011 Staatsschulden von 752,6 Milliarden Dollar (522,6 Milliarden Euro). Das waren 56 Prozent mehr als Ende 2010, wie aus Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervorgeht.

Rechnet man das Geld hinzu, dass Europas Banken den US-Kreditinstituten und den dortigen Unternehmen geliehen haben, summieren sich die Forderungen gegenüber den US-Schuldnern auf 3737 Milliarden Dollar. Allein die britischen Banken sind mit 1125 Milliarden Dollar in den USA engagiert, die deutschen Geldinstitute mit 502,4 Milliarden Dollar, wovon 26,1 Milliarden Dollar auf US-Staatsanleihen entfallen.

Sendungsbild
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  • Josef Braml (DGAP) zum Schuldenstreit in den USA
  • Länge: 0:03:52
  • Datum: 2011-07-27T11:50:00.000+02:00

Republikaner verschieben Abstimmung

Trotz der drohenden Folgen für die Wirtschaft in den USA und weltweit zeichnet sich weiter keine Einigung im Schuldenstreit ab. Die Republikaner verschoben eine Abstimmung über ihr Sparpaket. Experten hatten errechnet, dass der Vorschlag nicht die versprochenen Einsparungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar erbringen werde. Nach Änderungen soll über den Entwurf, den der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, eingebracht hatte, nun am Donnerstag abgestimmt werden. Obama kündigte bereits sein Veto gegen Boehners Gesetzentwurf an. Er favorisiert stattdessen einen Vorschlag des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Herry Reid.

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