Nächster Bahnhof Kundenfreundlichkeit

Die Deutsche Bahn hat offenbar ihre Mängel beim Thema Kundenfreundlichkeit erkannt. Bahn-Chef Rüdiger Grube kündigte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen in Berlin umfangreiche Investitionen an, um Reisende künftig „schneller und verlässlicher“ zu informieren. Zudem werde die Bahn ihre monatlichen Pünktlichkeitswerte ab September „offen, ehrlich und transparent“ ins Internet stellen.

Bahn-Chef Rüdiger Grube
Bahn-Chef Grube will der Kundenkritik mit einer Informationsoffensive begegnen.

Vorstandsmitglied Ulrich Homburg sagte, dies solle jeweils Mitte des Monats für den Vormonat geschehen. Bislang hatte die Bahn lediglich Durchschnittswerte für ein Jahr angegeben und kürzere Zeiträume als nicht aussagekräftig bezeichnet. Nun betonte Grube: „Wir wollen uns messen lassen an unserer tatsächlichen Leistung.“ Zugleich werde ein dreistelliger Millionenbetrag in den Ausbau der Informationswege – sowohl klassisch am Bahnhof als auch im Internet und via Twitter – investiert. Damit reagiert der Konzern auf jahrelange Kritik an ihrer Informationspolitik.

Wirtschaftlich läuft es bei der Deutschen Bahn nach Angaben des Vorstands rund. Die Jahresprognose eines Umsatzanstieges im Konzern um vier Milliarden auf gut 38 Milliarden Euro und eines Ausbaus des operativen Gewinnes auf deutlich über zwei Milliarden Euro liege noch etwas höher als im März vorhergesagt, sagte Finanzchef Richard Lutz. In den ersten sechs Monaten erzielte die Bahn mit 18,9 Milliarden Euro den höchsten Halbjahresumsatz ihrer Geschichte.

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  • Deutsche Bahn erzielt Umsatzrekord und deutlichen Gewinnsprung
  • Länge: 0:01:26
  • Datum: 2011-07-28T20:18:00.000+02:00

Wachstum im Transportgeschäft

Selbst wenn die zugekaufte britischen Arriva sowie die Wechselkurseffekte heraus gerechnet werden, bleibt ein Plus von 7,3 Prozent. Das operative Ergebnis wuchs um gut ein Drittel auf 1,1 Milliarden Euro. Ohne Arriva beträgt der Zuwachs immer noch gut 200 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 201 Millionen Euro oder 23 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich lag das Ergebnis bei 648 Millionen Euro nach 392 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Vor allem vom Transportgeschäft getrieben, machte die Bahn in der ersten Jahreshälfte auch beim Gewinn einen Sprung.

ICE-2 der Deutschen Bahn
Die Bahn muss Milliarden in die Erneuerung des Fahrzeugparks investieren.

Diese Aufwärtsentwicklung schlägt nach den Worten Grubes auch positiv auf die Beschäftigtenzahl durch. In den nächsten Jahren werde die Bahn jeweils 5000 bis 7000 Mitarbeiter neu einstellen, kündigte er an. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze habe die Bahn dieses Jahr um 20 Prozent erhöht. Zugleich plant das Unternehmen angesichts der zahlreichen technischen Probleme Milliardeninvestitionen in die Erneuerung ihres Fahrzeugparks. Allein dafür sollen bis 2015 knapp elf Milliarden Euro aufgewendet werden.

Ramsauer fordert Investitionen

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lobte die Deutsche Bahn. Die Zahlen spiegelten die hohe Ertragskraft des Unternehmens wider, sagte er in Berlin. Es gelte nun, die Gewinne wieder zu investieren: „In Kundenorientierung, Qualität und Zuverlässigkeit.“ Auch personell sei die Bahn vom Vorstand bis hin zum Aufsichtsratsvorsitzenden gut gestellt, ergänzte der Minister.

Zurückhaltung beim Thema „Stuttgart 21“

Zum umstrittenen Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ hielten sich Grube und seine Kollegen kurz vor der öffentlichen Vorstellung des Stresstests zu dem Projekt am Freitag sichtlich zurück. Er wolle nicht im Vorfeld Anlass bieten, dass erneut die Emotionen hochkochen, sagte der Bahn-Chef. Die Bahn stehe aber weiter zu dem Projekt und plane, wie angekündigt, am Wochenende Aufträge dafür zu unterzeichnen. Der Belastungstest hat nach Angaben des Konzerns dessen Berechnungen bestätigt, dass der neue Bahnhof 30 Prozent mehr Züge in der Spitzenstunde abfertigen kann als der bestehende Kopfbahnhof, was die Projektgegner bezweifeln.

Original, Google Cache, archive.org

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