Polizei stellt Suche vor Utöya ein

Die norwegische Polizei hat die Suche nach möglichen weiteren Opfern des Attentats auf der Insel Utöya eingestellt. Man sei überzeugt, dass im Tyrifjord – in dem die Insel liegt – keine weiteren Leichen gefunden würden, sagte Polizeistabschef Johan Fredriksen. Die Behörden wollten aber noch keine endgültigen Angaben über das Ergebnis der Suche machen.

ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier berichtet, die Suchmaßnahmen auf der Insel selbst seien komplett eingestellt worden. Im Fjord rund um die Insel sei die Polizei zwar weiterhin mit Booten unterwegs, dort werde aber nur noch nach Gegenständen der Opfer gesucht.

Polizeichef Johan Fredriksen (links)
Polizeichef Fredriksen (links) geht nicht davon aus, dass noch weitere Opfer gefunden werden.

Karte Norwegen
Bei den Anschlägen starben 76 Menschen: Acht in Oslo, 68 auf der Insel Utöya

Bei dem Doppelanschlag auf Utöya und in Oslo waren am vergangenen Freitag nach offiziellen Angaben insgesamt 76 Menschen getötet worden, davon 68 auf Utöya. Laut Medienberichten gilt noch ein Mensch als vermisst. Die Polizei bestätigte dies allerdings nicht. Viele Teilnehmer des Jugendcamps, das der Attentäter angegriffen hatte, waren schwimmend von der Insel geflohen.

Wagen mit Sprengstoff über Keller geparkt

Krater der Explosion in Oslo
Krater der Explosion in Oslo. Offenbar war der Wagen des Attentäters über einem Keller geparkt.

Die Polizei veröffentlichte inzwischen ein Bild vom Explosionsort in Oslo, das einen tiefen Krater zeigt. Der Attentäter hatte den Wagen mit hunderten Kilo Sprengstoff offenbar über einem Keller vor dem Regierungshochhaus geparkt. Nach Ansicht von Experten ging so ein großer Teil der Explosionskraft in den Boden. „Das hat viele Menschenleben gerettet und noch größere Schäden am Hochhaus verhindert“, sagte der Bombenexperte der Hilfsorganisation Norsk Folkehjaelp, Per Neergaard.

Attentäter soll für jeden Toten einzeln Rechenschaft ablegen

Der Prozess gegen den geständigen Attentäter Anders Behring Breivik wird vermutlich erst im kommenden Jahr beginnen. Ein Grund dafür ist, dass Breivik jeden Mord einzeln erklären soll. „Aus Respekt vor den Toten und deren Angehörigen muss der Täter für jede einzelne Tötung Rechenschaft ablegen“, sagte Norwegens Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch dem Rundfunksender NRK. Das stelle auch entsprechende Anforderungen an die Beweisführung.

Der Fall der zwei Terroranschläge sei so umfassend, dass die Ausarbeitung der Anklageschrift lange dauern werde. „Ich hoffe, die Leute haben Verständnis dafür“, sagte Busch. Anklage kann nach seinen Angaben nicht vor dem Jahreswechsel erhoben werden. „Wir hoffen, dass die Hauptverhandlung im Lauf des nächsten Jahres angesetzt werden kann.“

EU-Treffen in Brüssel ohne Ergebnisse

In Brüssel fand unterdessen ein Treffen von Anti-Terror-Experten statt. Es ging aber ohne konkrete Ergebnisse zuende. Das Treffen sollte lediglich dem Austausch von Informationen dienen. „Wir müssen erkennen, dass dies ganz offenbar ein sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich zu verhinderndes Ereignis war“, sagte Timothy Jones vom Büro des EU-Anti-Terror-Beauftragten, Gilles de Kerchove. Aber dennoch dürfe das Bemühen nicht aufgegeben werden, solche Anschlagspläne aufzudecken und zu stoppen.

Sendungsbild
Sendungsbild

  • Rolf-Dieter Krause (ARD) zum Treffen der Anti-Terror-Experten in Brüssel
  • Länge: 0:00:58
  • Datum: 2011-07-28T14:09:00.000+02:00

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.