Kämpfe in Mogadischu überschatten Hilfseinsatz

Nur einen Tag nach dem Start einer Luftbrücke für Hungernde in Somalia sind bei Kämpfen in der Hauptstadt Mogadischu etwa 30 Zivilisten verletzt worden. Truppen der Afrikanischen Union (AU) übernahmen dort mehrere bisher von der radikalislamischen Al-Schabaab-Miliz gehaltene Straßen und Plätze, um Hilfsorganisationen nach eigenen Angaben die Versorgung von notleidenden Menschen zu erleichtern. Daraufhin kam es zu heftigen Gefechten.

AU-Soldaten in Mogadischu auf dem Weg zur Frontlinie
AU-Soldaten auf dem Weg zur Frontlinie. Viele Viertel Mogadischus werden von Islamisten kontrolliert.

Eine Mutter mit ihrem völlig entkäfteten Kind in einer Klinik in Mogadischu
Eine Mutter mit ihrem völlig entkäfteten Kind in einer Klinik in Mogadischu. Millionen Menschen in Somalia hungern.

In Mogadischu sind seit 2007 AU-Truppen aus Uganda und Burundi stationiert, um die schwache Übergangsregierung zu unterstützen. Diese hat nur einen Teil der Stadt unter ihrer Kontrolle. Die Kämpfe mit Maschinengewehren und Artillerie begannen, nachdem Soldaten der Afrikanischen Union unterstützt von Panzern am Morgen eine Frontlinie zwischen einem von den Islamisten und einem von der Übergangsregierung kontrollierten Gebiet angriffen.

Drei Positionen in der Stadt seien erobert worden, teilte ein Sprecher der AU-Truppe mit. Ziel sei es gewesen sicherzustellen, „dass Hilfsorganisationen weiter arbeiten und Binnenflüchtlinge mit lebensnotwendigen Lieferungen versorgen können“.

Reportage aus Mogadischu

Besuch der „gefährlichsten Stadt der Welt“
Somalias 16. Übergangsregierung kämpft seit 1991 gegen islamistische Milizen. In deren Hand ist die Kontrolle eines Großteils des Landes. Auch das beeinträchtigt die Berichterstattung aus Somalia.

Bürokratie verzögert Start der Luftbrücke

Die erste Maschine der Luftbrücke konnte gestern erst mit 24-stündiger Verspätung abheben. Der Flug hatte sich wegen bürokratischer Probleme am Flughafen der kenianischen Hauptstadt Nairobi verzögert. Wann weitere Flugzeuge starten, ist offen. „Wir können es noch nicht ganz konkret sagen, weil wir stets Start- und Landeerlaubnis benötigen“, sagte der deutsche Experte des UN-Welternährungsprogramms WFP, Ralf Südhoff im Südwestrundfunk (SWR).

Der erste Flieger der Luftbrücke wird am Flughafen von Mogadischu entladen
Der erste Flieger der Luftbrücke brachte zehn Tonnen Nahrungsmittel.

„Wir sind sehr froh, dass gestern das erste Flugzeug abheben und in Mogadischu dann auch landen konnte. Damit sind die ersten zehn Tonnen Nahrungsmittel nach Mogadischu gelangt“, so Südhoff. Beladen war die Maschine mit sogenannten Energiekeksen und Erdnusspasten für Kleinkinder, die besonders unter Mangelernährung leiden.

In nächster Zeit sollen 100 Tonnen Nahrungsmittel nach Mogadischu gebracht werden. Geplant ist, die Luftbrücke auch auf andere Landesteile auszuweiten. Der Süden wird allerdings von Al Schabaab kontrolliert und war bislang für Helfer praktisch nicht zugänglich.

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