Polen räumt eigene Fehler ein

Das russische Fernsehen zeigt Wrackteile der abgestürzten Tupolew-154 des polnischen Präsidenten in Smolensk
Am 10. April 2010 stürzte die polnische Präsidentenmaschine im westrussischen Smolensk ab.

Im Streit um die Ursachen des Flugzeugunglücks mit 96 Toten vor 15 Monaten im westrussischen Smolensk hat die polnische Regierung auch eigene Fehler zugegeben. „Das Niveau der Ausbildung der Belegschaft stellte eine Gefahr für die Flugsicherheit dar“, sagte ein Vertreter der Regierungskommission in Warschau bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts. Bei dem Flugzeugabsturz am 10. April 2010 waren Präsident Lech Kaczynski, seine Frau Maria und 94 weitere Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Armee ums Leben gekommen.

Aus dem Gutachten geht hervor, dass es bei der Vorbereitung der Flugreise „zahlreiche Verfehlungen“ gegeben habe. Der Pilot habe für eine Landung unter widrigen Sichtbedingungen keine Ausbildung gehabt. Einzig der Flugzeugführer sei des Russischen mächtig gewesen, so dass er während des Fluges zusätzlich mit dem Bodenpersonal habe kommunizieren müssen. Auch das Gerät an Bord der Tupolew TU-154 sei schlecht gewartet gewesen. Zudem seien Ruhezeiten für Piloten nicht eingehalten, Trainingsflüge nicht ausgeführt worden. Auch die Dienstaufsicht für die Luftwaffeneinheit, die für die Beförderung von Politikern zuständig ist, habe nicht funktioniert, hieß es im Bericht.

Sendungsbild
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  • Gutachten zum Absturz der polnischen Präsidentenmaschine räumt Pilotenfehler ein
  • Länge: 0:01:18
  • Datum: 2011-07-29T17:25:00.000+02:00

Als Konsequenz reichte der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich seinen Rücktritt ein. Klich habe gestern seinen Rücktritt erklärt, sagte Regierungschef Donald Tusk. „Ich nehme den Rücktritt an“, erklärte Tusk vor Journalisten.

Auch Russland wird eine Mitschuld gegeben

Allerdings gab die Regierungskommission unter Leitung von Innenminister Jerzy Miller auch Russland eine Mitschuld: Die Beleuchtung der Landebahn auf dem Flughafen im russischen Smolensk sei in einem schlechten Zustand gewesen. Das russische Bodenpersonal habe dem polnischen Piloten zudem beim Landeanflug im dichten Nebel falsche Anweisungen erteilt.

Kein Beleg für Drängen Kaczynskis

Lech Kaczynski und seine Frau Maria
Lech Kaczynski und seine Frau Maria kamen bei dem Absturz ums Leben.

Nach den polnischen Ermittlungen der Regierungskommission konnte der von einigen Politikern und Medien erhobene Vorwurf nicht belegt werden, Kaczynski und andere Fluggäste hätten den Piloten gegen seinen Willen zur Landung in Smolensk gezwungen. Zur Verärgerung der Führung in Warschau hatte Russland in seinem im Januar vorgelegten Bericht der polnischen Seite die alleinige Schuld an dem Unglück gegeben.

Die Maschine war beim Landeversuch zerschellt. Die Delegation aus Warschau war auf dem Weg nach Katyn, wo sie der Ermordung mehrerer Tausend polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst im April 1940 gedenken wollte. Die Erschütterung über das Unglück führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen Russland und Polen, die aber nach dem russischen Abschlussbericht abrupt endete.

Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw, der die national-konservative Opposition anführt, warf dem liberal- konservativen Ministerpräsident Donald Tusk vor, gemeinsame Sache mit Russland gemacht zu haben, um die wahren Ursachen des Absturzes zu verschleiern. Tusk wies die Vorwürfe zurück.

Original, Google Cache, archive.org

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