Hunderttausende demonstrieren auf Tahrir-Platz

Bei einer der größten Demonstrationen seit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak haben sich Hunderttausende Demonstranten auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo versammelt. Ursprünglich waren mehrere getrennte Kundgebungen geplant, berichtet ARD-Korrespondent Jürgen Stryjak: Säkulare Gruppen wollten den Druck auf den Militärrat erhöhen, der seit dem Sturz die Macht hat. Islamisten hatten hingegen zu einem Marsch zur Unterstützung des Militärs aufgerufen.

Vertreter beider Seiten einigten sich jedoch auf eine gemeinsame Demonstration, um Zusammenstöße zu vermeiden und ein Zeichen der Einigkeit zu setzen.

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Unterschiedliche Gruppen demonstrieren gemeinsam

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo
Auf dem Tahrir-Platz waren auch „islamisch, islamisch“-Rufe zu hören.

Bei der Kundgebung forderten die Demonstranten der unterschiedlichen Flügel – von westlich orientierten Gruppen bis hin zu Islamisten – gemeinsam, dass Mitgliedern der Regierung des vor fünf Monaten gestürzten Ex-Präsidenten Mubarak zügig der Prozess gemacht wird. Zudem setzten sie sich für einen klaren Zeitplan für den Übergang zu einer zivilen Regierung ein. Derzeit wird Ägypten provisorisch von einem Militärrat regiert.

Zu Aufregung führten lautstarke Rufe der ultrakonservativen Salafisten, die für die Einführung der Scharia demonstrierten. Verschiedene Gruppen hatten sich vor den Protesten geeinigt, dass strittige Themen ausgespart werden sollten. Anstatt „friedlich, friedlich“ riefen die Salafisten jedoch „islamisch, islamisch“. Und statt des populären Slogans aus der tunesischen Revolution „Das Volk will das Regime stürzen“ skandierten die Salafisten „Das Volk will die Scharia einführen“.

Was sind Salafisten?

Salafisten streben nach einer Gesellschaft, die sich strikt an den Vorgaben des Korans orientiert. Sie schotten sich häufig ab, auch gegenüber weniger fundamentalistischen Muslimen. Während einige Gruppen Gewalt ablehnen, werden andere terroristischen Bewegungen zugerechnet. Salafisten-Gruppen gibt es in vielen Ländern. Für die Entführung von 32 Europäern 2003 in Algerien war etwa die „Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) verantwortlich.

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo
Wie viele Menschen auf den Tahrir-Platz kamen, lässt sich nur sehr grob schätzen. In einigen Berichten ist von „Zehntausenden“ die Rede, ARD-Korrespondent Jüregn Stryjak schätzt die Zahl auf „Hunderttausende“ .

Original, Google Cache, archive.org

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