Mord an Rebellengeneral wirft Fragen auf

Er war ein Diener zweier Herren: Als General Junis getötet wurde, war er Kommandant der Rebellenarmee gegen Gaddafi. Zuvor hatte er 40 Jahre lang zur militärischen Elite Libyens gehört. Als Gefolgsmann Gaddafis machte er Karriere. War der Mord ein Racheakt Gaddafis?

Von Peter Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Noch immer ist unklar, wer genau hinter den tödlichen Schüssen auf Abdelfattah Junis und seine beiden Begleiter steckt. Es soll offenbar ein Killerkommando dafür verantwortlich sein, das den Rebellengeneral auf Befehl von Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi liquidiert hat. Das meldete jedenfalls der arabische Fernsehsender Al Dschasira.

Junis ist gleich zu Beginn des Aufstandes in Libyen als einer der ersten Minister der Regierung zu den Rebellen übergelaufen. Bis dahin war er Innenminister des Landes. Er galt als Nummer zwei im Machtapparat des Revolutionsführers. Zudem gehörte er zu der Gruppe Militärs, die 1969 Gaddafi halfen, sich an die Macht zu putschen. Es war also offenbar eine Racheaktion, die Junis das Leben gekostet hat.

Sendungsbild
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  • Jörg Armbruster (ARD) zum Tod des libyschen Rebellenchefs
  • Länge: 0:01:42
  • Datum: 2011-07-29T17:23:00.000+02:00

Ein Verdächtiger festgenommen

Nach Auskunft des Vorsitzenden des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, habe man den Kopf der Gruppe, der für die Schüsse auf den General verantwortlich sein soll, festgenommen. Um wen es sich genau handelt,  sagt er allerdings nicht.

Mustafa Abdul Dschalil
Mustafa Abdul Dschalil (Mitte) lobte Abdel Fatah Junis‘ Vedienste.

Junis und die beiden Offiziere waren angeblich auf dem Weg von der Front zurück in die Rebellenhochburg Bengasi. Dort sollten sie über die militärische Lage der Aufständischen berichten. Unterwegs seien sie in einem Hinterhalt getötet worden, ihre Leichen habe man verschleppt, hieß es seitens des Übergangsrates. Wo der Überfall genau stattfand, darüber gibt es keinerlei Informationen oder Hinweise.

Bei der Pressekonferenz zum Tod des Generals beschuldigte Mustafa Dschalil Machthaber Gaddafi mit keinem Wort, hinter den tödlichen Schüssen zu stecken. Stattdessen lobte er den Getöteten als einen der größten Helden der Revolution in Libyen.

Rebellen haben ein Sicherheitsproblem

Offenbar wurde allerdings, dass der Widerstand ein massives Sicherheitsproblem hat. Es scheint nicht gelungen zu sein, diese hochrangigen Generäle derart zu schützen, dass sie nicht einem solchen Killerkommando in die Hände fallen und dabei ums Leben kommen. Außerdem führen die Todesschüsse noch einmal vor Augen, dass in diesem Krieg keine klaren Grenzen gezogen werden können. Es lässt sich nicht sagen, bis wohin der Machtbereich von Gaddafi reicht und ab wo die Rebellen das Sagen haben.

Rebellengeneral Juni am 5.April 2011 in Bengasi.
Rebellengeneral Juni am 5.April 2011 in Bengasi.

Sollte Gaddafi tatsächlich hinter dem Mord an Junis stecken, wäre das sicherlich ein Triumph für den Machthaber. Was die militärische Position von Junis angeht, dürfte kein Machtvakuum auf Seiten der Rebellen entstehen. Es gibt bei den Aufständischen genügend militärisches Personal, mit dem diese Lücke gefüllt werden kann. Sprich: übergelaufene Ex-Gaddafi Militärs, die jetzt für die Rebellen kämpfen.

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