„Kompromissfähig wie ein dreijähriges Kind“

Nicht nur Demokraten und Republikaner streiten über den Umgang mit dem nationalen Schuldenberg. Im Internet machen sich die US-Bürger ihre eigenen Gedanken – und verblüffen teilweise mit amerikanischem Erfindungsgeist. tagesschau.de gibt einen Überblick.

Von Lucas Lamberty für tagesschau.de

Dollarnote vor einer US-Flagge
Auch im Internet wird der US-Schuldenstreit ausgetragen.

Die großen amerikanischen Tageszeitungen berichten auf ihren Internetauftritten detailliert über den US-Schuldenstreit. Neben Artikeln über die aktuellen Entwicklungen versucht die „New York Times“ mit einen Überblick über die verschiedenen Verhandlungsschritte und Pläne zur Bekämpfung der Krise Licht in die verworrene Debatte zu bringen. Daneben gibt es Grafiken über den aktuellen Schuldenstand und die Schuldengrenze.

Die umfangreichsten Hintergrundinformationen bietet die „Washington Post“. Neben einem Countdown, der die Sekunden bis zur Änderungsfrist für die Schuldengrenze runterzählt, finden sich interaktive Grafiken über den Verlauf der Verhandlungen, die Möglichkeiten des Senats und das Zustandekommen des Schuldenbergs. Einen kurzen thematischen Einblick – besonders auch für europäische Internetnutzer – bietet der Video-Leitfaden „Showdown over the debt ceiling“.

Übertragungswagen des Fernsehsenders Fox News
Der Sender Fox News macht auch im Internet Stimmung gegen die Obama-Regierung.

Über die neuesten Entwicklungen im Schuldenstreit informiert die Internetzeitung „Huffington Post“ in einem Live Blog. Der konservative Nachrichtensender Fox News versucht, mit einem „Steuerzahler-Rechner“ Stimmung für die Tea-Party-Bewegung zu machen. Internetnutzer können hier ausrechnen, wie groß der Anteil ihrer Steuern bei einem Anheben der Schuldengrenze wäre. In einer zugehörigen Umfrage sprachen sich mittlerweile mehr als 74.000 User gegen eine solche Aufstockung aus – und vertreten damit wenig überraschend den Standpunkt der Tea-Party-Bewegung.

Wenn die Freiheitsstatue im Schuldenberg versinkt

Mehr als 14.300.000.000.000 US-Dollar – so groß ist zurzeit der Schuldenberg der USA. 14 Billionen US-Dollar, um es in Worten auszudrücken. Auf der Internetseite „www.wtfnoway.com“ wird diese gigantische Zahl anhand von Vergleichen anschaulich dargestellt. Das Prinzip: Wie groß ist der Geldberg, wenn man etwa 143 Milliarden 100-Dollar-Scheine auf Paletten stapelt? Laut der Internetseite sehr groß, um genauer zu sein so groß, dass selbst die symbolträchtige Freiheitsstatue darin versinken könnte. Und geht man noch einen Schritt weiter und visualisiert die „unfunded liabilities“ – also die Kosten, die in den kommenden Jahren beispielsweise durch die öffentliche Krankenversicherung „Medicare“ auf den Staat zukommen – so erscheint das eindrucksvolle Empire State Building im Vergleich geradezu mickrig.

Wem die Türme aus 100-Dollar-Scheinen nicht reichen, der sollte einen Blick auf die US-Internetschuldenuhr werfen. In Echtzeit lässt sich hier mitverfolgen, wie der Schuldenberg von Sekunde zu Sekunde anwächst. Zusätzlich kann sich der Internetnutzer noch den für 2015 zu erwartenden Schuldenstand anzeigen lassen. Der liegt bei mehr als 22 Billionen US-Dollar.

Comedian Jon Stewart
Jon Stewart beschwört den „Armadebtdon 2011“.

Trotz dieser erschreckenden Zahlen scheinen die Amerikaner ihren Humor nicht verloren zu haben. Jon Stewart, Moderator der politischen Satiresendung „The Daily Show“, setzt sich in seiner Reihe „Armadebtdon 2011“ mit den Absurditäten des Schuldenstreits auseinander. Und bei Youtube fordert der Rapper „Remy“ in einem Rap ein Anheben der Schuldengrenze. Mit großem Erfolg – mehr als 190.000 Nutzer haben sich das Video mittlerweile angesehen.

„Ihr seid so kompromissfähig wie ein dreijähriges Kind“

Auch auf anderen Social Media-Portalen wird über den Schuldenstreit diskutiert. Unter dem Stichwort „#fuckyouwashington“ empören sich tausende Amerikaner bei Twitter über ihre Politiker im Senat und Repräsentantenhaus. Losgetreten hat die Beschwerdewelle der amerikanische Journalismusprofessor und Blogger Jeff Jarvis. Frustriert über das erneute Scheitern der Verhandlungen machte dieser am 24. Juli in einem Tweet seinem Ärger Luft – und benutzte dabei das berüchtigte F-Wort.

Der Tweet wurde zum „Hash-Tag“ und die Twitter-Gemeinde wetterte munter drauf los. „#fuckyouwashington, weil ihr so kompromissfähig seid wie ein dreijähriges Kind“, schreibt ein Nutzer. Und ein anderer klagt: „So, wir erhöhen also die Schulden, lassen die Reichen durchdrehen und beglückwünschen uns selbst zu dieser tollen Leistung.“ Mit einer solchen Reaktion der User habe er selber nicht gerechnet, erklärt Social Media-Experte Jarvis in seinem Blog. „Das ganze ist in einem solchen Maße explodiert, wie ich es niemals erwartet hätte!“

Original, Google Cache, archive.org

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