Erstes Opfer von Utöya wird beigesetzt

Die 18 Jahre alte Norwegerin Bano Rashid wird als erstes Opfer des Massenmords auf der Insel Utöya beerdigt. Sie war vor einer Woche in einem Jugendlager von einem 32-Jährigen erschossen worden. Der geständige Täter hatte 67 weitere Menschen auf Utöya getötet und zuvor in Oslo eine Bombe gelegt, die mindestens acht Menschen in den Tod riss. Rashids Familie, die kurdische Wurzeln hat, will das Begräbnis als islamische und christliche Zeremonie ausrichten.

Auf der heutigen Beerdigung in Nesodden südlich von Oslo hält Außenminister Jonas Gahr Störe die Traueransprache für die Tote. Rashid war in der sozialdemokratischen Jugendorganisation aktiv, der auch Störe angehört. Sie hatte sich mit etwa 600 anderen Jugendlichen am jährlichen AUF-Sommerlager auf der Fjordinsel Utöya beteiligt.

Blumen und und norwegische Flaggen vor der Insel Utöya
Die Trauer und Anteilnahme in Norwegen ist ungebrochen.

Gestern hatte die Polizei 24 weitere Namen von Opfern des Doppelanschlag veröffentlicht. Zu den Toten von der Insel gehört auch eine 22-jährige Frau aus Georgien. Alle anderen kamen aus Norwegen. Von den bisher 68 bestätigten Opfern des Massakers auf Utøya sind zunächst 38 bekannt. Darüber hinaus gab die Polizei drei Namen von den Opfern aus Oslo bekannt. Die Veröffentlichung von Namenslisten nach größeren Katastrophen ist in Norwegen üblich.

Alle Opfer identifiziert

Die Polizei hat nach eigenen Angaben alle Opfer identifiziert und will die Namen nach und nach vollständig veröffentlichen. Es gilt als möglich, dass bei dem Massaker Utöya noch eine weitere Person getötet wurde, die bisher nicht gefunden ist. Die Polizei will dazu keine Angaben machen.

Erneute Vernehmung des Attäters

Unterdessen hat die Polizei begonnen, den noch auf der Insel festgenommenen Attentäter erneut zu vernehmen. Nach Angaben der Polizei soll Anders Behring Breivik vor allem zu neuen Erkenntnissen der Ermittler befragt werden. Der 32-Jährige begründet den Massenmord und die Bombe im Osloer Regierungsbezirk, durch die acht weitere Menschen starben, mit seiner Islamfeindlichkeit und seinem Hass auf die Sozialdemokraten.

Sendungsbild
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  • Polizei stellt die Suche nach weiteren Opfern des Attentats ein
  • Länge: 0:02:24
  • Datum: 2011-07-28T22:39:00.000+02:00

Der geständige Täter wird vermutlich erst im nächsten Jahr vor Gericht gestellt. Er solle sich dann für alle 76 Morde einzeln verantworten, hatte Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch gestern angekündigt. Norwegens Chef-Ankläger begründete den späteren Prozessbeginn mit der Dimension der Tat. Der Fall sei so umfangreich, dass die Ausarbeitung der Anklageschrift viel Zeit in Anspruch nehmen werde. „Aus Respekt vor den Toten und den Angehörigen muss der Täter für jede einzelne Tötung Rechenschaft ablegen“, sagte Busch im Radiosender NRK. Das stelle entsprechende Anforderungen an die Beweisführung. „Ich hoffe, die Leute haben Verständnis dafür.“

Original, Google Cache, archive.org

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