Erste Opfer beigesetzt

Die 18 Jahre alte Bano Rashid ist als erstes Opfer der Anschläge von Norwegen beerdigt worden. Sie war vor einer Woche in einem Jugendlager auf der Insel Utöya von dem 32-Jährigen Anders Behring Breivik erschossen worden. Er hatte dort und im Osloer Regierungsviertel insgesamt 77 Menschen getötet.

„Das Beste in einem vielkulturellen Norwegen“

Der Trauerzug bei der Beerdigung der 18-jährigen Bano Rashid
Der Trauerzug bei der Beerdigung der 18-jährigen Bano Rashid

Rashid war als Vierjährige mit ihren kurdischen Eltern nach Norwegen gekommen und engagierte sich aktiv in der Jugendorganisation der Sozialdemokraten. Sie hatte mit etwa 600 anderen Jugendlichen am jährlichen Sommerlager der Sozialdemokraten auf der Fjordinsel Utöya teilgenommen. Ihre Schwester überlebte den Angriff.

Auf Wunsch der muslimischen Eltern wurde die Trauerfeier von einem Imam und einer Pastorin gemeinsam gehalten. Dies sei „eine sehr starke Botschaft“, so Norwegens Außenminister Jonas Gahr Störe. In seiner Trauerrede sagte er: „Bano hat die Idee der Demokratie verstanden und wusste, dass Norwegens Zukunft auch in ihren Händen lag.“ Die 18-Jährige war Kandidatin der Sozialdemokraten für die Kommunalwahlen Mitte September. Pastorin Anne Marit Tronvik sagte in ihrer Ansprache, „Bano Rashid stand für das Beste in einem vielkulturellen Norwegen“. Die Beerdigung fand im Ort Nesodden südlich von Oslo statt.

Am späteren Nachmittag wurde auch der 19-jährige Ismail Haji Ahmed in Hamar nördlich von Oslo beigesetzt. Auch er war zusammen mit Geschwistern auf der Insel, die den Anschlag überlebten. Ahmed war vielen Norwegern bekannt, weil er am TV-Talentwettbewerb „Norske Talenter“ teilgenommen hatte.

Polizei gibt Zahl der Opfer mit 77 an

Die Polizei korrigierte unterdessen die Opferzahl nach oben. Nach neuesten Angaben kamen 77 Menschen ums Leben: 69 Menschen auf der Insel Utöya, acht bei der Bombenexplosion in Oslo. Bislang war von 76 die Rede gewesen. Ein Verletzter des Anschlags auf Utöya war Anfang der Woche seinen Verletzungen erlegen, was aber erst jetzt bekannt gegeben wurde.

Sendungsbild
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  • Norwegen: Erste Anschlagsopfer beigesetzt
  • Länge: 0:02:09
  • Datum: 2011-07-30T01:28:00.000+02:00

Attentäter wird erneut verhört

Der geständige Attentäter wurde erneut verhört. Bereits im Vorfeld hatte ein Polizeisprecher allerdings gesagt, dass dabei keine neuen Angaben zu erwarten seien. Die Ermittler würden lediglich das Protokoll des ersten Verhörs nach der Festnahme durchgehen. Breivik hatte die Taten bereits bei einem ersten Verhör einen Tag nach den Anschlägen gestanden, sich jedoch als „nicht schuldig“ bezeichnet. Er begründete den Massenmord mit seiner Islamfeindlichkeit und seinem Hass auf die Sozialdemokraten. Zwei Rechtspsychiater sollen ihn auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen. Ihr Gutachten soll im November vorliegen. Vor Gericht kommt der Attentäter vermutlich erst im kommenden Jahr.

Breiviks Anwalt Geir Lippestad sagte der Zeitung „Aftenposten“, der Attentäter habe am vergangenen Freitag „noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung“ für weitere Anschläge gehabt. Er habe beabsichtigt, noch zwei weitere Gebäude „zu bombardieren“. Hinweise in dieser Art finden sich auch in dem 1500-Seiten-„Manifest“, das Breivik vor den Anschlägen verbreitet hatte.

Am Tag der Anschläge seien die „Dinge“ anders gelaufen, als vom Attentäter geplant, sagte Anwalt Lippestad. Nähere Angaben machte er dazu nicht. Ein Polizeisprecher wollte die Angaben nicht kommentieren. Er sagte aber, es seien im Zuge der Ermittlungen rund ein Dutzend Orte untersucht worden, ohne dass dort eine Gefährdung entdeckt worden sei.

Original, Google Cache, archive.org

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