„Brasiliens Gesicht wird sich verändern“

Die Fußball-WM 2014 findet in Brasilien statt. Heute Abend werden in Rio de Janeiro die Gruppen für die Qualifikation ausgelost. Bis das erste WM-Spiel angepfiffen wird, dauert es zwar noch etwas. Der Wettkampf um die Bauaufträge in Brasilien hat aber bereits begonnen.

Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Fußball-Legende Pele und Brasiliens Sportminister Orlando Silva
Fußball-Legende Pele (links) und Sportminister Silva haben allen Grund zur Freude: Drei Jahre vor der WM profitiert Brasilien bereits von dem Sportereignis.

Brasilien ist „in“. Spitzenpolitiker aus allem Ländern geben sich derzeit im Land die Klinke in die Hand. Alle wollen sie eines: Dem Global Player aus Südamerika schmeicheln und im Land gute Geschäfte machen. US-Präsident Barack Obama machte im März den Anfang. „Brasilien bereitet die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele vor. Wir bieten dem Land an, dass US-Unternehmen dabei eine wichtige Rolle spielen, vor allem beim Ausbau der Infrastruktur, die für die Spiele verbessert werden muss“, sagte er.

Auch aus Deutschland kamen prominente Politiker. Bau- und Verkehrsminister Peter Ramsauer reiste nach Sao Paulo und Rio de Janeiro, und auch der Bundespräsident machte in Brasilien bei seiner Lateinamerikareise Zwischenstation in Brasilien. Die wirtschaftliche Botschaft von Christian Wulff mit Blick auf die WM 2014 ist klar: „Wir wollen jedenfalls beim Ausbau der Stadien mit dabei sein und wir wollen auch beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur dabei sein.“

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70 Milliarden US-Dollar Investitionsbedarf

Der Investitionsbedarf in Brasilien vor der WM ist immens und alle wollen sie vom Kuchen ein Stück abhaben. Aufträge wird es mehr als genug geben. Die Stadien in zwölf Spielorten müssen modernisiert oder neu gebaut werden. Neue Verkehrsnetze sollen entstehen, Flughäfen, Schiffshäfen und Eisenbahntrassen auf den neuesten Stand gebracht werden. In Zahlen ergibt das die gigantische Summe von 70 Milliarden US-Dollar – so hoch schätzt die brasilianische Regierung den gesamten Investitionsbedarf.

Llan Goldfain, der Chefökonom der brasilianischen Großbank Itaú, nennt weitere Zahlen: „Wir schätzen, dass die WM das Bruttoinlandsprodukt bis 2014 um 1,5 Prozent anheben wird. Wir gehen davon aus, dass in dem Zeitraum 250.000 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Das ist aber nicht alles. Eine erfolgreiche WM wirkt in die Zukunft. Unsere Exporte profitieren davon, wie auch die Investitionen und der Tourismus.“

Nach der WM ist vor Olympia

Dilma Rousseff
Brasiliens Präsidentin Rousseff setzt auf ein modernes Brasilien.

Nachhaltigkeit ist dabei das Wort, dass Dilma Rousseff immer wieder in den Mund nimmt. Die Staatspräsidentin will das Land nicht nur für WM und Olympia aufhübschen, sie will neue und nachhaltige Strukturen für ein modernes Brasilien schaffen.

„Die Investitionen, die für die Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele vorgesehen sind, sollen die Lebensqualität im Land dauerhaft verbessern, und zwar in allen beteiligten Regionen. Das gilt auch für den Luftverkehr. Wir müssen unsere Flughäfen – ohne Zweifel – für WM und Olympia verbessern und vergrößern.“

Sportstätten, Flughäfen, Verkehrsnetze, Hotels – viele sagen, dass Brasilien nach den beiden Sport-Großereignissen ein anderes Gesicht haben wird. Bei einem solch optimistischen Blick in die Zukunft fehlt eigentlich nur eines: dass die Prognosen dann auch wirklich zutreffen.

Original, Google Cache, archive.org

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