Vergebung statt Vergeltung

Die nach einem Säure-Attentat eines verschmähten Verehrers entstellte Iranerin Ameneh Bahrami hat laut staatlichem Fernsehen auf die Bestrafung ihres Peinigers verzichtet.

Die umstrittene Vergeltung nach dem „Auge-um-Auge“-Prinzip, bei der die Frau ihren Peiniger mit ätzender Flüssigkeit blenden sollte, sei für heute geplant gewesen. Aber Bahrami habe in letzter Sekunde darauf verzichtet, hieß es in dem Bericht.

Die Iranerin Ameneh Bahrami
Verzichtete in letzter Minute auf die Vollstreckung des Urteils: Die Iranerin Ameneh Bahrami

Bahrami sagte, dass sie ihrem Peiniger verziehen habe. „Ich habe dies aus diversen Gründen getan: wegen Gott, für mein Land und für mich selbst.“ Außerdem habe ihre Familie diese Rache nicht gewollt.

Sie hätte zwar sieben Jahre für diese Bestrafung gekämpft, fühle sich jetzt aber befreit, „dass es nicht geschehen ist“, sagte sie. Nun solle der Iran sie bei der medizinischen Behandlung unterstützen.

Inzwischen lebt Bahrami in Spanien, wo sie auch medizinisch behandelt wird. Trotz mehrerer Operationen ist sie auf einem Auge vollkommen und auf dem anderen fast blind. „Ich hatte bis heute 19 Operationen“, hatte sie im Mai erklärt. „Nur drei davon waren Hautoperationen. Alle anderen waren an meinen Augen, weil mein Befinden sich ständig änderte. Mein Arzt sagte mir, dass ich bis an mein Lebensende kein normales Leben führen könne und immer unter ärztlicher Aufsicht stehen müsste.“

Vollstreckung des Urteils war verschoben worden

Die Wende kam überraschend. Im Mai noch wollte die Iranerin die Aktion ausführen. Die Vollstreckung des Urteils war dann aber ohne Angabe von Gründen verschoben worden.

Ein Mann hatte Bahrami 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, weil sie seine Heiratsanträge abgelehnt hatte. Sie ist seitdem blind. Bahrami bekam 2008 in einem Gerichtsurteil das Recht zugesprochen, den Täter unter Betäubung mit Säure zu blenden. Der Täter saß bisher im Gefängnis, ob er nun freigelassen wird, ist unklar.

Original, Google Cache, archive.org

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