Zehntausende Israelis verlangen soziale Gerechtigkeit

Zehntausende Israelis haben gestern Abend in zehn Städten des Landes gegen steigende Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit protestiert. Nach Polizeiangaben und Schätzungen in den Medien gingen landesweit zwischen 80.000 und 120.000 Menschen auf die Straße. Allein in Tel Aviv versammelten sich rund 50.000 Menschen zu einem Marsch ins Stadtzentrum.

Protest in Tel Aviv
Bis zu 50.000 Menschen sind allein in Tel Aviv gegen soziale Ungerechtigkeit und hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße gegangen.

Die Demonstranten hielten israelische Flaggen sowie rote Fahnen in die Höhe. In Jerusalem versammelten sich 15.000 Menschen vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und hielten Spruchbänder hoch, auf denen zu lesen war: „Eine ganze Generation will eine Zukunft.“ Auch in der nordisraelischen Stadt Haifa protestierten nach Angaben der Polizei mehr als zehntausend Menschen.

„Das Volk will Gerechtigkeit, keine Barmherzigkeit“

Unter dem Slogan „Das Volk will Gerechtigkeit, keine Barmherzigkeit“ gehen seit einem Monat zehntausende Israelis auf die Straßen, um gegen die Sozialpolitik der Regierung zu protestieren. Neben den steigenden Mieten richtet sich ihr Protest auch gegen die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung und des Bildungssystems.

Vor allem die Wohnkosten, die sich seit zwei Jahren auf einem Höhenflug befinden, hatten die Proteste ausgelöst. Besonders in Tel Aviv sind die Mieten derart angestiegen, dass sich junge Paare kaum eine eigene Wohnung leisten können. Die Kluft zwischen Arm und Reich in Israel zählt zu den größten in der westlichen Welt.

Die Demonstrationen sind die größte soziale Bewegung in Israel seit vier Jahrzehnten. Erstmals seit Beginn des Protests im Juni schloss sich auch die arabische Minderheit in Israel an. Diese leidet besonders unter Diskriminierung. Einer Umfrage der Zeitung „Haaretz“ zufolge unterstützen 87 Prozent der israelischen Bevölkerung die Proteste, 54 Prozent zeigten sich unzufrieden mit Netanjahus Umgang mit der Krise.

Original, Google Cache, archive.org

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