Die Aktualisierung des Sozialismus

Die Menschen in Kuba haben jüngst den 58. Jahrestag der Revolution gefeiert. Doch nichts ist mehr so, wie es einmal war. Seit fünf Jahren ist Fidel Castro nicht mehr an der Macht. Sein Bruder Raúl muss notgedrungen dessen Kurs regormieren – und den Sozialismus „aktualisieren“.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mittelamerika

Der kubanische Präsident Raul Castro.
Der kubanische Präsident Raul Castro.

Eine kleine Straße im Zentrum von Havanna: Links und rechts stehen Händler. Manche verkaufen Zigarren, andere Che-Guevara-Souvenirs oder Schmuck. Aber eins haben hier alle gemeinsam: Sie arbeiten auf eigene Rechnung. Neue Marktfreiheit im Sozialismus. Kati steht hier auch jeden Tag und verkauft gemalte Bilder. „Manchmal verkaufen wir mehr und manchmal weniger“, erklärt sie, „je nachdem wie viele Touristen kommen aus Kanada, Spanien oder anderen Ländern.“ Sie seien insgesamt 18 Händler, die hier arbeiten.

Rund 320.000 Kubaner haben bereits eine Lizenz für die Arbeit auf eigene Rechnung. Manche Rentner verdienen sich so etwas dazu, andere Jüngere haben ihren Job verloren und müssen nun sehen, wie sie zu Geld kommen. Eine Million Staatsbedienstete sollen absehbar entlassen werden.

„Wir würden untergehen“

Aktualisierung des Sozialismus nennt das Präsident Raúl Castro. Vor fünf Jahren hat er die meisten Führungsämter im Land von seinem Bruder Fidel übertragen bekommen. Und vor gut einem Jahr leitete er spürbare Reformen der Wirtschaft ein – aus der Not heraus. Es gehe einfach darum, so Raúl Castro, unhaltbare Konzepte umzuwandeln. „Entweder wir korrigieren unsere Fehler oder wir stürzen in den Abgrund. Wir würden untergehen und damit auch die Anstrengungen ganzer Generationen.“

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Mehr Markt – damit der Sozialismus überleben kann, ist nun das Rezept. Politische Reformen sind dagegen kaum zu erkennen. Immerhin: Raúl Castro hat die meisten Dissidenten aus den Gefängnissen entlassen und ins Exil geschickt. Menschenrechtsgruppen beklagen aber weiter, dass Oppositionelle drangsaliert werden.

Lebender Mythos der Revolution

Die Kommunisten beschwören das Erbe Fidels und die Einheit des Volkes – zuletzt am Dienstag bei den offiziellen Feiern zum Revolutionsauftakt. Auf dem Platz in der Provinzstadt Ciego de Avila stehen Tausende Kubaner mit Fähnchen oder Che-T-Shirts – in der ersten Reihe die Staats- und Parteiführung. Viele sind Weggefährten des 80-jährigen Raúl Castro. Und über allem das Konterfei des kranken Fidel – dem lebenden Mythos der Revolution.

Fidel Castro und Che Guevara im Jahr 1960
Fidel Castro und Che Guevara im Jahr 1960

Eine erkennbare Verjüngung der Führung gab es unter Raúl bisher nicht. Doch auf der Revolutionsfeier wird daran keine Kritik laut. Der 19-jährige Aidel sagt es so: „Es gibt ein Sprichwort: Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Und aufgrund ihrer Erfahrung macht unsere Regierung eine gute Arbeit. Ich glaube, ihr Alter bedeutet nicht, dass sie das Land schlecht regieren.“

„Wir hoffen auf Ergebnisse“

Kuba im Wandel – unter der Führung der Partei. Straßenverkäuferin Kati in Havanna ist froh, dass sich etwas bewegt. Aber ob die Lage nun spürbar besser ist – nach fünf Jahren Raúl – das weiß Kati noch nicht so genau. Es sei unterschiedlich, meint sie. Momentan könne sie noch nicht sagen, dass es sich zu 100 Prozent verbessert habe. „Wir hoffen auf Ergebnisse. Abwarten. Mal sehen, wie sich alles entwickelt.“

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