„Assad hat einen Krieg begonnen!“

Syrische Regierungstruppen sind kurz vor Beginn des Ramadan in mehreren Städten gewaltsam gegen die Oppositionsbewegung vorgegangen. Schwerpunkt war die Stadt Hama, allein hier sollen mindestens 80 Menschen getötet worden sein. Augenzeugen sprechen von einem Krieg.

Von Jens Wiening, ARD-Hörfunkstudio Amman

Es sind erschreckende Töne und Bilder, die aus Hama nach außen dringen: Über der Stadt schwarze Wolken, Panzer fahren umher, immer wieder Schüsse. „Tote, Tote“, schreit ein Mann, dann versucht er einen Krankentransport zu organisieren – und ruft noch in ein Telefon: „Heute ist der 31. Juli.“

Anmerkung der Redaktion

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Mit aller Brutalität schlägt Präsident Bashar Assad zu; in aller Frühe rücken seine Soldaten in Hama ein. Ein Augenzeuge berichtet, Assad habe „einen Krieg in Hama angefangen. Panzer attackieren die Eingänge der Stadt, Heckenschützen besetzen die Dächer von Gebäuden und Behörden. Unter den Toten ist ein 13-jähriges Kind – und unter den Verletzten sind viele Kinder und Frauen.“

Die Krankenhäuser in Hama, so berichtet es der Augenzeuge weiter, seien voll, und überall werde geschossen. „Man hört jetzt die Rufe von Demonstranten. Es gibt auch Frauen und Kinder zwischen den Demonstranten. Das ist ein wahrer Krieg hier. Sie brechen in Häuser ein, überall sind Explosionen.“

Die Menschen, die sich meist per Telefon aus Syrien melden, nennen immer wieder Namen und die Orte, an denen sie sich befinden, sowie das aktuelle Datum. So wollen sie die Echtheit ihrer Berichte untermauern. Doch das Regime von Präsident Assad hat den Angriff auf Hama sogar selbst bestätigt. Bewaffnete Gruppen hätten dort Polizeistationen angezündet und Barrikaden errichtet, so die staatliche Nachrichtenagentur. Deshalb seien Armeeeinheiten eingerückt.

Die amerikanische Botschaft in Damaskus nannte diese Darstellung vollkommen abstrus. Sie bezeichnete den Angriff als pure Verzweiflungstat.

Nicht nur in Hama, sondern auch in anderen Städten des Landes versucht die Regierung, mögliche Proteste im Keim zu ersticken. Ein Augenzeuge aus Deraa berichtete, Frauen seien festgenommen und in Schulen gesperrt worden. Die Sicherheitskräfte hätten Verwandte der Frauen, die in die Schulen hineingehen wollten, getötet. Dann nennt der Mann mehrere Namen von Todesopfern. Mittlerweile hätten die Sicherheitskräfte noch Verstärkung bekommen, überall gebe es Verletzte, berichtete er weiter. Mehr als 200 Jugendliche seien festgenommen worden, die Angriffe hätten ebenfalls am frühen Morgen begonnen – auch Panzer seien in die Stadt gekommen.

Am Montag beginnt der Ramadan in der arabischen Welt. Dann treffen sich die Menschen jeden Tag in der Moschee  – und von diesen Orten gehen die meisten Proteste aus. Einige Moscheen sollen bereits geschlossen worden sein; der Vorwand: Sie müssten renoviert werden. Ein Mann sagt, das Regime wisse, dass es heftige Proteste im Ramadan geben werde – „deshalb versuchen sie unsere Bewegung vorher kaputtzumachen und uns einzuschüchtern“.

Doch nichts deutet darauf hin, dass Präsident Assad mit Gewalt die Proteste unterdrücken kann. Bisher hat er mit seinem brutalen Vorgehen nur noch mehr Proteste hervorgerufen.

Karte Syrien Hama

Original, Google Cache, archive.org

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